Sir « erwiderte ich hierauf »und werde bemüht sein Ihren Wünschen nachzukommen.« »Für den Nachmittag soll Adele frei haben gegen Abend können Sie mit ihr den Park in seinem schönsten Schmucke besichtigen und auch dem Wasserfeuerwerke welches auf dem großen Teiche abgebrannt werden wird beiwohnen.« Hierauf verließ uns Herr Rochester ich nahm Adele bei der Hand und führte sie nach unsern Gemächern da die Zeit zum Unterrichte bereits herangerückt war Also morgen ist das große Fest sagte ich am Abende zu mir als ich beim Arbeitstische saß und fleißig nähte während Adele mit ihrer Puppe vollnuf zu thun hatte Herr Rochester ist plötzlich aus seiner Zurückgezogenheit hervorgetreten und hat die Einsamkeit mit einem prunksüchtigen und geräuschvollen Leben vertauscht Woher doch diese plötzliche Veränderung kommen mag Was mag den an die Einsamkeit und Ruhe so sehr gewohnten Herrn bewogen haben ein Fest von solchem Kostenaufwande und solcher Ausstattung zu veranstalten Diese und ähnliche Gedanken durchkreuzten mein Gehirn und wirkten selbst lähmend auf meine Arbeit denn ich hatte bereits die Hände in den Schooß gelegt und ganz gedankenlos nach der untergehenden Sonne gesehen welche mit ihren glänzenden Stralen bereits die Gipfel der Berge zu bestreichen begann um nach vollendetem Untergange die ganze Gebirgsränderung in ihren Purpurmantel zu hüllen »Ein herrlicher Abend « sagte ich halblaut zu mir »Aber noch herrlicher wird der morgige sein « sagte hierauf eine mir wohlbekannte Stimme Ich fuhr erschrocken zusammen und sprang pfeilschnell von meinem Sitze auf während Mistreß Fairfax unter lautem Gelächter hinter meinem Stule hervortrat Die Thür des Zimmers war nur zugelehnt und so hatte ich in meiner Vertiefung gar nicht bemerkt dass jemand ohne mein Wissen ins Zimmer getreten sei »Nur nicht so furchtsam Miß« nahm sie hierauf das Wort »wir sind ja schon alte Bekannte wenn wir uns auch jetzt weniger als sonst sehen.« »Das ist wol nicht meine Schuld Mistreß Fairfax« antwortete ich hierauf »Ihre und meine Geschäfte heißen uns beide verschiedene Wege gehen.« »So ist es « erwiderte Mistreß Fairfax »Darum vernehmen Sie schnell die Ursache meines Besuches denn ich habe für den morgigen Tag noch Manches zu besorgen.« »Werden die Gäste zahlreich sein die von Herrn Rochester geladen worden sind « fragte ich bemüht meine Neugierde durch das Ordnen meines Nähtischchens zu bemänteln »Es scheint weil der Tisch für zwanzig Personen gedeckt werden und das Diner bis 5 Uhr bereit sein muß Morgen dürfte es überhaupt auf dem Schlosse lustig hergehen « sagte Mistreß Fairfax weiter »denn unser Herr feiert morgen den Jahrestag seiner Rettung von dem sicheren Tode.« »Wie so « fragte ich weiter »War Herr Rochester so schwer krank dass « »Das nicht « fiel mir Mistreß Fairfax in die Rede »Aber Herr Rochester hat vor fünf Jahren eine Reise nach Amerika unternommen und war auf der ganzen Hinfahrt recht glücklich Als er aber nach einem dreimonatlichen Aufenthalte in Neu-York mit dem Dampfer »Themse« welcher das Eigenthum einer Liverpooler Gesellschaft war auf der Rückreise begriffen war litt er Schiffbruch Von 39 Passagieren wurde er allein und von der