weshalb ich für angemessen hielt mich zu entfernen Dass ich bei Herrn Rochester eine so freundliche Aufnahme finden und dass er mich mit so großem Vertrauen beehren werde hatte ich wol keine Ahnung Es schien nach so vielen trüben Tagen nun auch für mich die Stunde gekommen zu sein wo ich mich einer freundlichen Behandlung zu erfreuen haben werde und dieser Gedanke hatte mich mit den bisherigen Widerwärtigkeiten des Lebens wieder vollkommen ausgesöhnt Die Reise nach Manchester Ich hatte mir Herrn Rochester als einen strengen finsteren und unzugänglichen Mann gedacht der seine Ansichten und Urtheile allein für maßgebend halte und wurde hierin zu meiner Freude groß getäuscht Adelens Vormund hatte zwar ein ernstes Aussehen doch ließ der freundliche Zug um den lächelnden Mund ans die edle Herzensgüte schließen die Herrn Rochester eigen war Dass sich die Stirne bisweilen in Falten legte und der Blick zeitweise ernster als gewöhnlich wurde mag von Umständen herrühren die in der Natur der Sache begründet waren Schon am zweiten Tage nach seiner Ankunft zu Thornfield herrschte auf dem Schlosse eine rege Thätigkeit Die Thür des Zimmers wo Herr Rochester die meiste Zeit des Tages zubrachte ging von einer Hand in die andere über und so mag es gekommen sein dass manche Unannehmlichkeiten seine fast heitere Laune aus einige Augenblicke verscheuchten Acht Tage mußte Herr Rochester das Zimmer hüten bevor er von dem leidenden Fuße wieder Gebrauch machen konnte Um ihm die Zeit zu verkürzen bot ich mich als Vorleserin an welches Anerbieten mit größter Bereitwilligkeit angenommen wurde Herr Rochester saß in einem Lehnstul der mit rothem Damast überzogen war in der Mitte des runden Tisches stand ein sechsarmiger Kronleuchter dessen Lichtströme das ganze Zimmer mit einem eigenthümlichen Glanze erfüllt hatten der durch das hochrothe in vollster Glut sprühende Kaminfeuer noch merklich erhöht wurde In der Nähe des Kamines hatte sich Adele auf einem prachtvollen Teppich niedergelassen und spielte mit Pilot dessen komische Geberden der Kleinen viel Spass zu verursachen schienen am unteren Ende des Tisches saß Mistreß Fairfax mit ihrer Brille und strickte so fleißig als ob sie zu einer bestimmten Stunde mit einer gewissen Aufgabe zu Ende sein müßte Ich hatte meinen Platz zwischen Mistreß Fairfax und Herrn Rochester genommen der mehrmals meinen hübschen Vortrag und die schöne reine Aussprache lobte und Adele erinnerte sich an mir ein Vorbild zu nehmen Da trat der alte John ins Zimmer der einen Brief in der Hand hielt welcher von Manchester über Millcote nach Hay und durch den Postboten hieher gelangt sei Herr Rochester entschuldigte sich dass er mich auf einige Augenblicke unterbrechen müße indem der Inhalt des Briefes von Dringlichkeit sei was er aus der auf dem Umschlage angebrachten Chiffre entnehme Ich legte das Buch bei Seite und warf mich in den Stul zurück während Mistreß Fairfax kein Auge von ihrer Arbeit abzog »Dacht ich mir’s doch « sagte jetzt Herr Rochester »Wieder ein Manchesterhaus gefallen wo ich mit einer starken Summe betheiliget bin.« Ich und Mistreß Fairfax bedauerten den unangenehmen Vorfall worauf Herr Rochester erklärte