bei Adelen mehr zu kultiviren als eben nothwendig gewesen wäre und erzielte schon nach drei Monaten die glänzendsten Resultate Ich war eben beschäftiget für Adelen eine kleine Skizze aus der höchst interessanten Szene der vor mir ausgebreiteten Winterlandschaft zu entwerfen als ich auf dem Korridor eine starke Bewegung wahrgenommen hatte wo es doch seit meiner Ankunft in Thornfield stets so still ja fast lautlos hergegangen war Da ohnehin bereits die Dämmerung eingetreten war und meine Augen von dem blendenden Schneelichte stark mitgenommen wurden so schob ich die Skizze in meine Mappe legte den kleinen Malerstul zusammen um sämmtliche Requisiten im Bibliothekzimmer welches mir für den zu ertheilenden Unterricht angewiesen worden war aufzubewahren bis ich dieselben wieder benöthigen würde Das Bibliothekzimmer hatte die Hauptfront gegen den großen Park gekehrt und vertrat in den strengen Wintermonaten zugleich das Klavierzimmer während für die Sommermonate oder während des Karnevals ein eigener Klaviersalon mit einer prachtvollen Ausstattung bestimmt war Diesem gegenüber befand sich das große Gesellschaftszimmer welches nur dann geöffnet wurde wenn Herr Rochester nach Thornfield kam Ich mußte an diesem Zimmer vorüber um nach meinem Gemach zu gelangen und war nicht wenig erstaunt Mistreß Fairfax hier beschäftiget zu sehen Die gute Frau war ungemein thätig da Reinlichkeit und Ordnung bei ihr zum Gesetz geworden waren Sie hatte eben eine Vase von Alabaster in der Hand um dieselbe abzustauben als ich an die Thüre kam während Lea und ein alter Diener bemüht waren die prachtvollen Ottomanen von hochrothem Sammt auszuklopfen damit nicht etwa im nächsten Frühlinge die Motten ihren Wohnsitz darin aufschlagen »Welch ein prachtvolles Zimmer « rief ich voll Verwunderung aus »Ist dies etwa schon für Herrn Rochester hergerichtet worden Also hätten wir seine Ankunft zu erwarten « »Darüber kann ich Ihnen wol nicht genügenden Aufschluss geben da weder ich noch irgend jemand in Thornfield mit Gewissheit sagen kann wann Herr Rochester kommt Unser Herr ist aber ein Mann von Ordnung und Pünktlichkeit und wünscht die Zimmer das ganze Jahr hindurch so erhalte zu sehen als ob er sie täglich benützen würde Nichts ist dem guten Herrn ärger als Putzen und Säubern während seiner Anwesenheit Weil ich nun weiß dass ihm dies unangenehm ist so geschieht es während seiner Abwesenheit.« »Herr Rochester wird Ihnen auch Dank dafür wissen « sagte ich in meiner Unschuld »Wie man’s nimmt« entgegnete Mistreß Fairfax »Herr Rochester ist ein Feind aller Zeremonien und überrascht seine Leute mit Geschenken wie es ihm einfällt Nie schreibt er einen seinem Hause erwiesenen Dienst in das Buch der Vergessenheit und kommt mit seinem Danke meistens zur rechten Zeit.« Da stürzte plötzlich der alte Diener die Treppe herauf und erklärte ganz athemlos dass eben Pilot durch den Thorweg des Schlosses gesprungen sei folglich Herr Rochester auch nicht mehr weit sein könne.« Herr Rochester hatte nämlich die Gewohnheit stets seinen Hund vorauszuschicken um sich durch denselben gleichsam anmelden zu lassen Auf die Erzählung des Dieners brannte Mistreß Fairfax der Kopf vor Geschäftigkeit weshalb ich Abschied nahm und auf mein Zimmer ging Auf mich hatte die