verplaudert hatte Hier trafen wir bereits Fräulein Adele mit ihrer Bonne Der Anblick des Kindes war für mich ein überraschen der denn ein blonder Lockenkopf mit hellblauen Augen kam auf mich zu und sprach »Bonjour Mademoiselle Jeanette « »Bonjour Mademoiselle Adele « erwiderte ich zog die Kleine an mich und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn Nun entspann sich zwischen uns beiden ein lebhaftes Gespräch woran Mistreß Fairfax große Freude zu haben schien Miß Varens war ein Fräulein von vielen geistigen Anlagen und Fähigkeiten die sie bisher noch wenig benützt zu haben schien Von dem besten Willen beseelt begann Adele jede Arbeit mit unendlicher Freude und großer Bereitwilligkeit hatte aber weder beim Arbeiten noch beim Unterrichte die nothwendige Ausdauer ja selbst beim Spielen war die Kleine sehr veränderlich und zeigte weder nach der einen noch nach der andern Richtung die nothwendige Beständigkeit und einen beharrlichen Sinn Das Herz war unverdorben doch schien mir der Karakter nicht der edelste denn Adele war ungemein vorlaut und maßte sich über manche Personen ein Urtheil an das weder Achtung vor älteren Personen noch die geringste Nächstenliebe verrieth Ich erkannte wol hierin ein Gebrechen unserer Zeit wo das Sittenverderbnis infolge der modernen Erziehung schon merklich überhand genommen hatte und nahm mir ernstlich vor die bereits eingerissenen Misbräuche auszumerzen die zügellosen Leidenschaften noch einzudämmen bevor es zu spät wird und den falschen Grundsätzen mit Entschiedenheit entgegenzutreten und selbe zu bekämpfen insofern Mittel und Kräfte hier ausreichen Was die Erziehung anbelangt die Adele bisher genossen hatte so war sie echt französisch und von den reinen Sitten meiner Laudsleute nicht die geringste Spur zu vernehmen Die Kleine ging ohne Gebet zu Bette und stand des Morgens auf ohne Gott für die Erhaltung zu danken noch viel weniger fiel«es der Kleinen ein Gott zu bitten dass er sie am Tage über gesund an Leib und Seele erhalten und vor jedem Unglücke bewahren’und beschützen möge Ich sprach hierüber mein Misfallen aus und erklärte dass Adele jeden Morgen und Abend mit mir gemeinschaftlich ihr Gebet verrichten müße worin Mistreß Fairfax mit mir vollkommen einverstanden war Bei dem Karakter der Adelen eigen war konnte nur ein fester und mit aller Beharrlichkeit verfolgter Erziehungsplan durchgreifen weshalb ich es vorzog meinen Unterricht in den ersten Tagen weniger auf das positive Lernen zu beschränken sondern mich vielmehr zu bemühen auf dem Wege der Erfahrung der Kleinen einigen Sinn für einen geregelten Unterricht einzuflößen was mir nach einigen Wochen auch wirklich gelang Diese schnelle Umwandlung schien vornehmlich dadurch wesentlich begünstiget worden zu sein dass Adele eine unendliche Liebe und Anhänglichkeit zu mir zeigte und sich selbst schon nach einigen Tagen jeder Anordnung willig unterzog sobald ich drohte mich diesen Abend auf mein Zimmer zurückzuziehen und sie mit Mademoiselle Sofie allein zu lassen Sehr große Lust und auch eben so große Anlagen zeigte Adele für’s Zeichnen Da ich von Mistreß Fairfax erfahren hatte dass Herr Rochester ein großer Kunstkenner sei und in seinen jüngeren Jahren sich viel mit Landschaftszeichnen beschäftiget hatte so suchte ich diesen Gegenstand