Ihre Gesellschaft ist mir ganz erwünscht und ich hoffe dass wir uns recht bald näher kennen lernen werden.« Ich erklärte hierauf dass es mir stets Vergnügen bereiten werde einige meiner freien Stunden in ihrer Gesellschaft zuzubringen und erbat mir gleichzeitig ihren guten Rath um den Wünschen meines künftigen Gebieters vollkommen zu entsprechen »Sind Sie unbesorgt Miß Reed « fiel mir Mistreß Fairfax ins Wort »dafür werde ich schon Sorge tragen Übrigens ist Herr Rochester ein äußerst guter und freundlicher Mann hinter dessen ernstem und finsteren Aussehen das beste Herz von der Welt steckt Doch eines muß ich bemerken Bisweilen ist Herr Rochester sehr leidenschaftlich und dann auch weit heftiger als es eigentlich nothwendig wäre doch wo ist ein Mensch in der Welt zu finden der keinen Fehler an sich hätte « »Ja der That ist es wirklich so Mistreß « erwiderte ich hierauf »Doch habe ich oftmals die Behauptung vernommen dass heftige Menschen in der Regel das beste Herz haben sollen.« »Sie haben ganz recht « sagte Mistreß Fairfax »bei unserem Herrn findet dieser Grundsatz wenigstens seine Anwendung.« Da verkündigten die lauten Hammerschläge der Schlossuhr die zwölfte Stunde Wir sahen einander verwundert an worauf sich meine Gesellschafterin die Erlaubnis erbat mich in mein Zimmer begleiten zu dürfen das nur wenige Schritte von dem ihrigen entfernt war Wiewol Müdigkeit und Schlaf meine Augen quälten so konnte ich doch die Neugierde nicht unterdrücken dasselbe noch in dieser späten Stunde zu mustern Ich wusste zwar nicht wem ich die vortrefflichen Anordnungen die zu meiner Bequemlichkeit getroffen worden waren zu verdanken hatte mußte mir aber gestehen daß Mistreß Fairfax ein ganz besonderes Talent zu einer Haushälterin besitze falls die Herrichtung dieses Zimmers ihr Geschmack gewesen sein sollte Die Freundlichkeit dieses Zimmers sowie dessen Comfort hatten auf mich einen wohlthätigen Eindruck gemacht der zu meinem neuen Glücke nicht wenig beitrug Wenn Miß Adele anders ein Fräulein von sanftem Karakter und guten Sitten ist dann hätte ich wol einen guten Tausch gemacht sagte ich zu mir Sodann schritt ich auf den Bettschämel zu faltete die Hände dankte Gott für die Gnaden die er mir unverdienter Weise bisher zufließen ließ und bat den Herrn der Welten mit Inbrunst und Demut mich durch seine Gnade so zu leiten und zu führen dass ich stets vor ihm Gnade und Erbarmung finden möge.« So sanft und süß mußte ich seit den Tagen meiner ersten Kindheit wo mich die Arme einer zärtlich liebenden Mutter umschlungen hielten noch nicht geschlafen haben denn es war bereits heller Tag als ich erwachte Kaum war ich angekleidet so machte mir Miß Fairfax auch schon einen Besuch um sich nach meinem Befinden zu erkundigen Ich konnte es nicht unterlassen gegen die gute Frau meinen Dank auszusprechen dass sie für mich ein so freundliches und liebliches Zimmer auserkoren hatte welche Anerkennung ihrem Ehrgeize besonders zu schmeicheln schien Sodann folgte ich der freundlichen Einladung das Frühstück mit ihr und meinem neuen Zöglinge einzunehmen Mistreß Fairfax führte mich nach demselben Zimmer wo ich bereits eine halbe Nacht mit ihr