Miß Varens nicht Ihre Tochter « fragte ich hierauf ganz naiv »Nein ich habe keine Familie bin auch nicht die Frau des Hauses sondern nur die Haushälterin des Herrn Rochester.« »Wer ist Herr Rochester « fragte ich hierauf etwas verlegen »Herr Rochester Ja woher sollten Sie das wol wissen « unterbrach sich jetzt die gute Matrone »Herr Rochester ist der Herr dieses Schlosses der Besitzer der Herrschaft Thornfield Eigenthümer mehrerer Fabriken in London mit einem Worte ein steinreicher Mann.« »So « sagte ich hierauf ganz erstaunt »Und Miß Varens seine Tochter « »Ei wie kann Miß Varens seine Tochter sein Herr Rochester war nie verehlichet Miß Adele ist blos seine Mündel die er hier auf dem Schlosse erziehen lässt.« »Und hat Herr Rochester noch viele Verwandte hier oder in London « fragte ich über meine Neugierde etwas verlegen »Ach nein « sagte hierauf« die geschwätzige Haushälterin »Außer Adele keine Seele weder hier noch in London.« »Und werde ich morgen Herrn Rochester meine Aufwartung machen können « fragte ich weiter »Herr Rochester ist nicht zugegen denn « Da trat die Magd mit einer großen Tasse worauf sich eine silberne Theekanne nebst zwei schönen Porzellanschalen befanden ins Zimmer und somit war das Gespräch auf einige Augenblicke unterbrochen worden »Aber Lea « rief Mistreß Fairfax »Wo sind die Löffel und die Zuckerbüchse geblieben Auch das Rumfläschchen vermisse ich « »Ist sonst ein braves Mädchen unsere Lea « sagte hierauf Mistreß Fairfax aber schrecklich vergessen « »Daran mag die Jugend Ursache sein « sagte ich lächelnd »Ei die liebe Jugend « sagte die Matrone im sarkastischen Tone »Ich war auch einmal jung hatte aber doch den Kopf stets am rechten Flecke.« Gegen Ende dieser Bemerkung trat Lea ins Zimmer und brachte das Fehlende »Und wo sind die Brödchen geblieben « fragte hierauf Mistreß Fairfax etwas unwillig »Ei Ei Lea du bereitest mir heute eine Verlegenheit um die andere Miß Reed muß sich einen hübschen Begriff von der Ordnung machen die unter meiner Direkzion hier auf dem Schlosse herrscht Wäre Herr Rochester zugegen dann « Lea wurde roth bis hinter die Ohren schlug den Blick zu Boden und entfernte sich um die Brödchen herbeizuschaffen Als wir wieder allein waren und jede von uns bereits eine Tasse Thee im Leibe hatte nahm ich wieder den Faden des Gesprächs dort auf wo wir denselben durch die Dazwischenkunft der Magd verloren hatten und fragte »Also ist dieses Schloss nicht der beständige Aufenthalt des Herrn Rochester « »Ei behütet« sagte hierauf die Haushalterin indem sie meine Schale an sich zog um dieselbe zum zweiten Male zu füllen Einem guten Thee war ich von jeher nicht abgeneigt weshalb ich der an mich ergangenen Aufforderung nur Artigkeit halber einigen Widerstand leistete »Herr Rochester kommt nur in den Sommermonaten nach Thornfield bisweilen geschieht es auch im Herbst dass ihn die Jagd hieher zieht sonst sind wir stets allein Außer den täglichen Besuchen des Bäckers Fleischhauers und Postboten kommt keine Seele aufs Schloss Ach wie froh bin ich dass Sie hier sind Miß