zu führen dass ich einst vor dem Richterstule Gottes mein Wirken als Lehrerin verantworten könne Darum bat ich Gott im Gebete um seine Gnade damit er mich auf diesem schweren und dornenvollen Wege leite und führe und mir mit dem Amte auch den Verstand verleihe in demselben nach Recht und Gewissen zu wirken Die Würde die mir von dem Direktor verliehen worden war und nicht minder der Jahresgehalt denn ich bekam 20 Pfund Sterlinge waren für mich ein Sporn zu unermüdeter Thätigkeit und oft mußte mich Miß Temple ermahnen meine Gesundheit zu schonen und mich nicht übermäßig anzustrengen Dass man mit mir vollkommen zufrieden gewesen sein mußte erhellet schon daraus weil ich nach Verlauf der ersten Jahresprüfung von Seite der Direkzion eine Remunerazion von zehn Pfund Sterling erhielt Meine Freude war unnennbar groß denn ich hatte jetzt die Überzeugung dass meine Verdienste nicht nur Anerkennung finden sondern auch belohntwerden Welch ein großer Trost war dies wohl für mein Herz und für mein Gemüt So lang ich auf Gateshead verweilte ward mir nichts als der bitterste Tadel zu Theil Ich fand dort nicht einen Menschen der mir in Gegenwart von Mistreß Reed wie in ihrer Abwesenheit hätte Gerechtigkeit widerfahren lassen Für mich hatte man kein freundliches Wort und kein Lob sondern nur Tadel Um wie viel mehr konnte und mußte das Leben für mich an Annehmlichkeiten gewonnen haben da seit den Tagen meiner zarten Kindheit die Freude wieder in mein Herz einziehen sollte Hätte ich damals geahnt dass neuerdings ein schwerer Schlag des Schicksals für mich bereit gehalten werde ich würde mein Herz auf so kurze Zeit der Freude sicher nicht geöffnet haben Drei Jahre waren seit dem Tage meiner Anstellung als Lehrerin verstrichen als mir Miß Temple die Mittheilung machte dass sie morgen Abends die Anstalt verlasse indem sie Braut sei Mir vergingen die Sinne ich mußte mich an der Ecke des Tisches festhalten vor welchem ich stand um meine Füße vor Schwäche und Zittern zu stützen Ich weinte und sank an ihre Brust Miß Temple begriff meinen Schmerz und suchte mich zu trösten indem sie mir mit Hand und Mund versprach mir recht oft zu schreiben und dafür zu sorgen dass ich recht bald in ihre Nähe komme Ich wusste nicht wie ich diese Rede deuten sollte und fragte daher Miß Temple wie dies möglich sei »Hier in der Anstalt für immer zu verbleiben wäre nicht mein Rath« sagte hierauf Miß Temple »weil man nicht leicht in der Lage ist für seine Zukunft auf genügende Weise zu sorgen Ich werde aber dafür sorgen dass Sie ehestens nach Rochefter kommen und daselbst in einem besseren Hause als Gouvernante eine Unterkunft finden Halten Sie diesen Plan so lange geheim bis der geeignete Augenblick gekommen ist ihn auszuführen.« Der Abschied von Mistreß Temple war für mich ein ungemein schmerzlicher aber nicht nur ich allein sondern das ganze Haus fühlte den Schmerz und nicht minder den Verlust welchen die ganze Anstalt sowie jedes einzelne Glied durch den Austritt einer so würdigen und liebevollen