werde Ich wusste gar nicht wie mir geschah und sprang mit beiden Füßen zugleich aus dem Bette Noch nie in meinem Leben war ich so schnell angekleidet wie heute Bessie hatte einstweilen das Frühstück herbeigeschafft das in einer Schale Fleischsuppe bestand allein ich war so aufgeregt dass ich gar nicht essen wollte Nachdem aber Bessie unaufhörlich in mich drang und mir Vorstellungen machte dass ich bei der großen Winterkälte leicht krank werden könnte wenn ich mit nüchternem Magen den ganzen Tag fahren sollte so gab ich endlich nach trank die Suppe und schob das Brötchen in meine Tasche um auf der Reise versorgt zu sein falls mich ein Hunger überfallen sollte Es war von Mistreß Reed beschlossen worden dass ich um sechs Uhr Morgen mit dem Gateshead passierenden Eilwagen meine Reise nach Lowood antreten soll Die Zeit drängte darum ermahnte mich Bessie zur Eile Ich langte meinen Mantel vom hohen Schrank herab setzte meinen runden Hut auf und sagte zu Bessie die sich eben in ein großes dickes Schafswolltuch hüllte »Ich bin fertig « Bessie nahm meinen Reisesack in die eine Hand und mit der andern ergriff sie meine Rechte mich ermahnend vorsichtig über die Stiege zu schreiten damit ich keine Stufe übersehe und etwa hinabstürze da von den vielen Laternen auch nicht eine angezündet worden war Plötzlich blieb ich stehen und erklärte Bessie dass ich mich weder von Mistreß Reed noch von Eliza und Georgiana empfohlen hätte und so unmöglich das Schloss verlassen könne »Man hat sich allgemein ihren Besuch verbeten« sagte Bessie »darum lassen Sie uns eilen damit wir den Wagen nicht versäumen.« Dieser Bescheid hatte mich überrascht Wie sagte ich zu mir selbst niemand will von dir Abschied nehmen niemand will dich mehr sehen Verlassener kann doch kein zweites Kind auf Erden sein Indessen waren wir in die Vorhalle gekommen wo uns der matte Schein einer Lampe aus der Portierswohnung entgegen dämmerte Die gute Frau hatte Feuer im Kamin daher ich mich gleich in dessen Nähe machte um den Frost von mir zu verscheuchen der mich auf dem kurzen Gange überfallen hatte »Fährt die Kleine allein « fragte die Portiersfrau Bessie »Leider hat es Mistreß Reed so angeordnet « sagte hierauf Bessie Da ward mir bange Ich stürzte auf Bessie los hielt sie mit beiden Händen fest umschlungen und rief unter Thränen und Schluchzen »Nein Sie dürfen mich nicht verlassen Sie müßen mit mir reisen.« Da vernahm man das Rollen des Postwagens Ein starker Knall mit der langen Peitsche bestätigte die Annäherung der erwarteten Fahrgelegenheit Der Portier zog schnell aus der Ecke seines Stübchens einen ziemlich großen Koffer hervor um denselben an den Fahrweg hinauszuschaffen und Bessie umschlang meinen Leib und trug mich die wenigen Schritte bis zum Postwagen Hier übernahm mich der Kondukteur schob mich in den ziemlich besetzten Wagen hinein und schwang sich wieder auf seinen hohen Sitz hinauf Da vernahm ich zum Letztenmale Bessie’s Stimme Sie rief dem Kondukteur zu auf mich wol Acht zu geben damit mir kein Unfall begegne Der Wagen rollte