ihres Lebens da hinausläuft nach vollendeter Bildung in einem anständigen Hause eine Unterkunft zu finden um sich ihr Brot einst selbst verdienen zu können.« »Ihre Ansichten sind nur zu billigen Mistreß« sagte hierauf der Abbe »und das Kind kann sich immerhin glücklich preisen eine solche Wohlthäterin gefunden zu haben.« »Ich kann mich also verlassen dass die Kleine im Waisenhause zu Lowood Aufnahme finden werde « sagte hierauf Mistreß Reed »Sie ist aufgenommen« erwiderte der Abbe »Nun so kannst Du jetzt gehen das Übrige werde ich schon veranlassen« war die Antwort von Mistreß Reed Ich verneigte mich ehrfurchtsvoll und verließ das Zimmer Wie ich in mein kleines Gemach zurückgekommen bin weiß ich nicht anzugeben denn ich sah und hörte nicht Ich war ganz überrascht Bessie hier zu finden die an einem Kleide für mich nähte Wahrscheinlich war ihr von Mistreß Reed aufgetragen worden meine Sachen in Ordnung zu bringen und ich schloss daraus dass ich meinem künftigen Asyl bald zugeführt werden würde »Was ist Ihnen Jane dass Sie so heftig weinen « redete Bessie mich an »Das werden Sie eben so gut wissen wie ich« sagte ich etwas gereizt und wollte an ihr vorüber gehen Sie ergriff mich an der Hand zog mich zu sich und sprach »Trösten Sie sich Jane und vertrauen Sie auf Gott er wird Alles zu Ihrem Besten leiten.« Bei diesen Worten drückte sie einen Kuss auf meine nassen Wangen und sagte »Auch ich bin in einem Waisenhause erzogen worden und kann dem lieben Gott nicht genug danken daselbst Aufnahme gefunden zu haben denn sonst wäre ich sicher an Leib und Seele zugrunde gegangen.« Ich sperrte die Augen weit auf um Bessie Lee recht betrachten zu können Ich hatte mir die Menschen die in einem Waisenhause erzogen werden ganz anders vorgestellt Bessie fing hierauf von ihrer Jugend und ihrem Aufenthalte im Waisenhause zu erzählen an und entwarf mir ein Bild welches auf mich den wohlthätigsten Eindruck machte so zwar dass ich den Tag gar nicht mehr erwarten konnte wo ich Gateshead sammt seinen Schrecknissen im Rücken haben werde Zweites Kapitel Eintritt ins Waisenhaug zu Lowood Durch die freimütige Erzählung von Bessie’s Jugend wurde ich ganz umgestimmt Ich war viel heiterer als sonst sang scherzte und lachte mit meiner Puppe und es schien als ob nach so vielen trüben und finstern Tagen wieder einige Sonnenblicke in mein düsteres Gemüt gedrungen wären Ich fragte Bessie mehrmals wenn ich mit ihr allein auf meinem Zimmer war ob wol der Tag meiner Abreise von Gateshead noch fern sei Doch konnte sie mir hierüber keinen Bescheid geben und bemerkte dass außer Mistreß Reed dies auf dem Schlosse niemand wisse Indessen sollte mir der letzte Jänner hinlängliche Aufklärung geben Es war kaum fünf Uhr Morgens als Bessie vollständig angekleidet mit einem Licht in der Hand in mein Zimmer trat und mich weckte Noch halb im Schlafe wusste ich nicht was mit mir vorgehe Bessie ließ mich aber nicht lange in Ungewissheit und erklärte mir dass ich schon nach einer Stunde nach Lowood abreisen