Herzen verstockt voll Bosheit und Zanksucht und im Lügen eine Meisterin kann ich die Kleine nicht mehr länger in meinem Hause dulden Sollten Sie nun gesonnen sein dieselbe in das Waisenhaus zu Lowood aufzunehmen so würde ich Sie sehr ersuchen die Oberaufseherin sowie die Lehrerinnen von dem Karakter und den bösen Leidenschaften des Kindes in Kenntnis zu setzen damit man dasselbe streng überwache und vor Allem ihren gröbsten Fehlern nämlich der Verstellung Hinterlist und Lügenhaftigkeit mit aller Schärfe entgegentrete Ich sage das in Deiner Gegenwart Jane damit Du Dir nicht etwa beikommen lässst den Herrn Direktor durch Deine gewohnte Freundlichkeit die aber nichts als Heuchelei ist zu hintergehen.« Ich hatte Mistreß Reed von jeher gefürchtet weil ich wusste dass sie mir nicht im geringsten gewogen war Es lag ferner auch in ihrem ganzen Wesen mich bei jeder Gelegenheit zu schmähen ohne eben einen Fehltritt gethan zu haben mich der Unwahrheit zu strafen wo ich im augenscheinlichen Rechte war und allen Leuten zu sagen dass ich ein Bettelkind sei dem sie aus purem Mitleid in ihrem Hause auf unbestimmte Zeit einen Unterstand zugesagt habe Ich war in ihrer Gegenwart nie froh und zufrieden sondern fühlte mich im Gegentheile stets unheimlich in ihrer Nähe Mein Gehorsam war zu jeder Zeit ein pünktlicher ich gab mir alle Mühe ihre Zufriedenheit zu erlangen und ärntete dafür nur Misfallen Die Beschuldigungen die man gegen mich vorbrachte nahm ich in den meisten Fällen schweigend hin um nur keinen Anlass zu neuen Beschwerden zu geben und ertrug mit Geduld was in meinen Kräften stand Dass mich aber Mistreß Reed vor einem fremden vor dem Abbe und Direktor des Waisenhauses zu Lowood auf eine Weise verunglimpfen würde die den schamlosesten Verleumdungen gleich kam hätte ich nie und nimmer gedacht Mistreß Reed hatte mich durch diese falsche Anklage bis ins Innerste des Herzens verwundet sie hatte mir den Stachel einer Leidenschaft ins Herz gedrückt die ich vor diesem verhängnisvollenAugenblicke nicht gekannt hatte und darum wollte darum mußte ich mich gegen eine so ungerechte Anschuldigung vertheidigen und die Urheberin derselben Lügen strafen Ich wollte sprechen und konnte keine Worte finden um mich auf eine geziemende Weise auszudrücken nur ein tiefer Seufzer entwand sich meiner Brust und bahnte den Thränen die ein mächtiger Zeuge meines gekränkten Gemütes waren den Weg »Gleißnerei und Verstellung« sagte hierauf der Abbe sind schon an und für sich grobe und hässliche Fehler welche Denjenigen der sie an sich trägt in den Augen seiner Mitmenschen verächtlich machen Christus der Herr tadelte die Pharisäer dieser Laster wegen und warnte die Juden vor diesen Wölfen im Schafpelz Sehen Sie also zu mein liebes Kind dass Sie diesen Fehler ablegen um nicht dem ewigen Gerichte zu verfallen wo schwere Strafen Ihrer harren würden Im Übrigen verlassen Sie sich Mistreß Reed auf meine Scharfsichtigkeit und eine strenge Überwachung auch werde ich mit Miß Temple und den Lehrerinnen hierüber besondere Rücksprache nehmen.« »Mein Wunsch ist« sagte hierauf Mistreß Reed »dass die Kleine eine ihren künftigen Verhältnissen angemessene Erziehung erhalte da die Bestimmung