ob ich den Drücker in die Hand nehmen und öffnen oder eiligst die Treppe wieder hinabsteigen sollte Da fasste ich mir ein Herz und legte die Hand mit aller Kraft auf den Drücker Die Thür flog etwas unsanft auf und ich stand nach langer Zeit wieder einmal im Gesellschaftszimmer das mir nur mehr dem Namen nach bekannt war Mistreß Reed saß auf dem grünseidenen Kanapee in einer ganz nachlässigen Stellung ihr gegenüber ein ziemlich hagerer Mann im schwarzen Anzuge dessen Blick und Miene eben nicht den wohlthätigsten Eindruck auf mich machten und dennoch hatte ich später diesen Mann so lieb gewonnen dass ich ihn wie meinen zweiten Vater ehrte Ich neigte mich tief vorerst gegen den Fremden und dann gegen Mistreß Reed und war der Dinge gewärtig die da kommen werden Mistreß Reed gab mir durch ein Zeichen zu verstehen dass ich näher treten möchte indem ich gleich bei meinem Eintritte in größter Entfernung von Tisch und Kanapee stehen blieb Ich trat etwas vor und zwar so weit dass ich den fremden Herrn wie die Tante beständig im Gesichte behalten konnte Sodann nahm Mistreß Reed das Wort und sprach »Das ist die Kleine welche die Veranlassung zu jenem Schreiben gab das ich vor ungefähr vierzehn Tagen an Sie zu richten die Ehre hatte Herr Abbe.« Der Mann im schwarzen Kleide verneigte sich gegen die Tante und sagte dann zu mir »Wie alt sind Sie Miß « »Zehn Jahre vorüber« war meine Antwort Hierauf betrachtete mich der Abbe von der Zehenspitze bis zum Wirbel des Kopfes und sagte dann kopfschüttelnd »Sie ist etwas klein auf ihr Alter.« »Wohl « entgegnete Mistreß Reed »aber die ist raffinirt Wer sie nicht näher kennt kann es gar nicht glauben und muß denken dass alle Beschwerden die man gegen sie vorbringt pure Verleumdungen seien.« »Das hätte ich nicht gedacht « erwiderte hierauf der Abbe »Da hat mich wieder einmal im Leben ein gutmütiges Gesicht arg getäuscht.« Ich zog die Stirne etwas in Falten ob aus Ärger oder purer Verlegenheit über die dreiste Lüge der Tante kann ich jetzt selbst nicht mehr behaupten Da zog mich der Abbe aus meiner Verlegenheit indem er mich ganz freundlich ersuchte etwas näher zu treten »Wie heißen Sie mein liebes Kind« fragte jetzt der Abbe mit der vorigen Freundlichkeit »Jane Reed« war meine Antwort »Haben Sie noch Ältern « fragte der Abbe weiter »Nein« sagte ich mit merklicher Beklommenheit »beide sind schon seit vier Jahren todt.« »Wer war Ihr Vater « lautete die fernere Frage des Abbe »Fabriksarzt zu Salford und ein grundehrlicher Mann« war meine Antwort »Das will ich meinen« erwiderte der Abbe »dieses Zeugnis wird und muß ihm die ganze Welt geben.« Mistreß Reed schien mit der Unterredung die der Abbe mit mir bisher gepflogen hatte nicht ganz zufrieden gewesen zu sein weshalb sie jetzt das Wort nahm und sprach »So viel ich mich erinnern kann habe ich Ihnen Herr Direktor in meinem letzten Briefe eine genaue Schilderung in Betreff des Karakters gemacht den dieses Mädchen besitzt Im