Tafel bereits aufgehoben war Es mag gegen sieben Uhr gewesen sein als Bessie auf mein Zimmer kam »Jane « rief sie als ihr die starre Finsternis entgegentrat Ich meldete mich zum Beweise dass ich noch lebe und auch heute nicht verhungert sei »Um des Himmels willen« sagte Bessie »so ganz allein und noch obenhin in dieser schauerlichen Finsternis Warum hat man Ihnen kein Licht gebracht « Bei diesen Worten hatte sie das Zimmer verlassen um ein Licht zu holen Als sie zurückkam war ihre erste Frage »Sie haben doch zu Mittag gespeist « »Ich schüttelte den Kopf und griff nach meiner Puppe um die Verlegenheit zu verbergen in die ich durch diese Frage oder durch jene Rücksichtslosigkeit gerathen war »Das ist doch unverzeihlich « sagte Bessie und entfernte sich abermals um einige Ueberreste von der Tafel für mich zu holen wurde aber schon von einem Bedienten an allen Ecken und Enden des Schlosses gesucht und konnte somit ihr Vorhaben nicht mehr zur Geltung bringen Verstimmt in meinem Innern und bereits die Kälte in den Füßen fühlend von welcher das Zimmer durchdrungen worden war suchte ich mein Bett und schlief ein ohne seit dem Frühstücke eine Brotkrume zu mir genommen zu haben Die Kinderstube ist einsam sagte ich am andern Tage zu mir selbst dafür hat mein jetziges Schlafgemach die größte Ähnlichkeit mit dem Grabe selbst Und doch wäre mir der Kreis einer so großen Gesellschaft lästig geworden falls ich in denselben treten und einen halben Tag und eine halbe Nacht daselbst hätte zubringen müßen In meiner Einsamkeit und Abgeschiedenheit hatte ich mir einen hässlichen Fehler angewöhnt Ich hatte nämlich täglich meine Puppe mit ins Bett genommen damit ich nicht so ganz allein war Es gab Stunden in meiner Jugend wo dieses todte Spielzeug meine einzige Zerstreuung Tage lang meine einzige Gesellschafterin war Dass ich mir in dem hölzernen Wesen nur zu oft eine lebende Person eine Schwester oder eine Jugendfreundin dachte und mit derselben die längste Zeit plauderte wird man einem armen verlassenen zehnjährigen Mädchen wol verzeihen auf dem die eiserne Hand des Schicksals schon seit seinem sechsten Jahre schwer lastete Ich war eben im Begriffe meine Puppe aus dem Bette zu holen und für dieselbe die Morgen-Toilette zu besorgen als Miß Abbot ins Zimmer stürzte und mir zurief die dunkle Schürze abzunehmen und ihr ins Gesellschaftszimmer zu folgen »Was soll ich dort machen « fragte ich ganz verwundert »Ei fragen Sie nicht erst« sagte Abbot etwas unwillig »und kommen Sie schnell Mistreß Reed wünscht Sie einem fremden Herrn vorzustellen.« »Kenne ich den Herrn nicht Miß Abbot « fragte ich in meiner Neugierde und Überraschung weiter »Ach mein Gott wie kann ich das wissen« war die Antwort »Machen Sie lieber dass Sie fortkommen sonst könnte Mistreß Reed des Wartens müde werden und Sie vielleicht in eigener Person holen Dieser Nachdruck that seine gute Wirkung denn schon in wenigen Minuten stieg ich die Treppe hinan welche zum Gesellschaftszimmer führte An der Thür angekommen stand ich einige Zeit unschlüssig und wusste nicht