Obhut und Sorgfalt der Kindermuhme Bessie und wies Jane an in Allem was sie benöthigen werde die Bessie anzugehen welche stets mit größter Bereitwilligkeit für deren Bedürfnisse sorgen werde Nach dieser kurzen Ansprache trennte sich die Gesellschaft und Bessie nahm die Kleine bei der Hand um sie nach der Kinderstube zu führen denn hier war für die Unterkunft des neuen Sprösslinges des Hauses Reed bereits Sorge getragen Jane fühlte sich in dem Hause ihres Oheims nicht heimisch Ein unnennbarer Schmerz bemächtigte sich oft ihres gepressten Herzens dem nur ein Strom heißer Thränen etwas Linderung zu verschaffen im Stande war Es waren kaum zehn Tage verstrichen so mußte Jane wol den Unterschied bemerken den nicht nur Mistreß Reed sondern auch die Domestiken zwischen ihr und den Kindern des Hauses machten Eliza und Georgiana benahmen sich zwar anfangs recht liebenswürdig gegen ihre jüngere Kousine allein schon nach wenigen Wochen schimpften und schmähten sie auf die Kleine und dichteten derselben allerlei Fehler an die Mistreß Reed auf das bloße Wort ihrer so wahrheitsliebenden Töchter an der armen Waise mit aller Strenge gestraft haben würde wenn Jane nicht an dem Onkel einen mächtigen und in jeder Beziehung gerechten Beschützer gehabt hätte John Reed mußte dann seine Töchter beschwichtigen und ihnen begreiflich machen dass jeder Mensch seine Fehler und Schwachheiten besitze Und eben darum sei es unsere Pflicht mit den Schwächen und Gebrechen unserer Nebenmenschen Nachsicht zu haben damit auch wir auf die Nachsicht Anderer wieder Anspruch machen können Übrigens sei Jane von gutmüthiger Natur besitze ein äußerst versöhnliches Herz und sei gegen jedermann gefällig wenn man ihr ebenfalls freundlich und liebevoll entgegenkomme In Abwesenheit des Onkels nahm Jane ihre Zuflucht zu Bessie und bat sie oft um Schutz gegen die Lästerungen und Verfolgungen der Kinder des Hauses allein das getäuschte Kind kam alsbald zur Einsicht dass Bessie auf der Seite Mistreß Recd und ihrer Kinder stehe und genau so spreche wie es diese gern zu hören gewohnt waren Am meisten hatte die Keine von dem zanksüchtigen äußerst unverträglichen und parteiischen John ihrem Kousin zu leiden John hatte ungefähr das eilfte Jahr erreicht und war nicht nur faul und träge beim Lernen sondern auch lässig in der Erfüllung seiner übrigen Pflichten und im Fluchen ein Meister An ein Morgen oder Abendgebet war bei dem Jungen nicht zu denken weil ihn niemand daran erinnerte und zum Beten anhielt und vor dem Mittagstische zu beten hielt Mistreß Reed nicht mehr schicklich denn dazu meinte sie sei John schon zu groß So wuchs der Knabe in einer gänzlichen Wildheit und Rohheit heran ohne Religion und ohne Grundsätze ohne Glauben und Gottesvertrauen blos seinen Leidenschaften und Begierden fröhnend Durch seinen Übermuth und seine Zügellosigkeit wurde der Junge zur wahren Hausplage für die Dienerschaft die sich von dem kleinen Wildfang stoßen beißen schlagen und alle anderen Unbilden gefallen lassen mußten wenn Einer oder der Andere seinen Dienst nicht aufgeben wollte Wie nun unsere arme Jane bei diesem Wildfang wegkam lässt sich leicht denken So verstrichen drei kummervolle Jahre für die