stolze von der größten Geringschätzung begleitete Benehmen nicht so sehr auf Was mir aber aufgefallen war das war der äußerst elegante und geschmackvolle Anzug der Mädchen Ich müßte ja kein Mädchen gewesen sein wenn mir eine so auffallende Erscheinung entgangen wäre auch hätte ich meinem Schönheitssinne und meinem guten Geschmacke eben nicht das beste Zeugnis ausgestellt Ist es aber nicht der Neid oder seine Schwester die Scheelsucht diese Dämonen der Eitelkeit und Putzsucht welche dein Auge an den Prunkgewändern von Mistreß Reed’s Töchtern festhielt sagte eine innere geheimnisvolle Stimme ganz leise zu mir Ich legte die Hand auf’s Herz und konnte mir mit gutem Gewissen sagen dass diese finstern Unholdsgötter der Erde noch zu keiner Zeit mein Herz beschlichen haben und dasselbe auch nie beschleichen werden« Dass Mistreß Reed in Beziehung auf Toilette sehr viel Geschmack besaß das mußten selbst ihre ärgsten Feinde zugeben Die loisenblauen Seidenkleider von dem feinsten Venezianerstoffe angefertiget waren allerliebst und wurden durch die schwarzen Sammtjoppen welche nach schottischer Art mit schweren Goldborten verschnürt waren noch mehr gehoben Ganz im Einklange mit ihrer Toilette stand die Frisur welche durch die halbverschlungenen vom feinsten Golddraht geknüpften Netzhäubchen noch um desto mehr gehoben wurde Ich wusste zwar nicht welcher Umstand zu diesem Putze Veranlassung gegeben haben mochte da mir der Feiertag allein doch nicht maßgebend genug zu sein schien Da fiel mir plötzlich ein dass heute der achte Dezember und somit Eliza’s Geburtstag sei Vom Herzen gerne hätte ich meiner Kousine meinen Glückwunsch dargebracht wenn mich nicht ihr steifes und rücksichtsloses Benehmen davon abgehalten haben würde da vorauszusehen war dass ich im Gesellschaftszimmer eine ganz sonderbare Figur spielen und von Mistreß Reed oder dem herrischen John vielleicht gar zur Thüre hinausgewiesen werden würde zu welcher Konfrontazion ich wahrlich keine Lust hatte Da rollten zwei Wägen hintereinander über den Kiesweg daher und somit hatte ich die Ueberzeugung gewonnen dass man heute nicht allein sondern in Gesellschaft speise Um nicht abermals misliebigen Personen in die Arme zu laufen zog ich mich auf mein Zimmer zurück und beschloss dasselbe heute nimmer zu verlassen Gegen drei Uhr schien die Gesellschaft an Ausdehnung immer zuzunehmen da noch mehrere Wägen innerhalb dieser Zeit durchs Portal gefahren waren Alsbald vernahm man ein eifriges Hin und Hereilen der Domestiken die heute in ihrem Festanzuge prangten Die Stimme des Kellermeisters ward mehrmals gehört und die beiden Köche hatten mit ihren Küchenjungen noch zu keiner Zeit so herumgemeistert wie diesen Nachmittag Wenn die Thürflügel des Speisesaales auf und zugingen konnte man aus dem Gesumse ganz deutlich vernehmen dass die Gesellschaft eine zahlreiche sein müße Es war schon ziemlich finster in meinem Stübchen geworden auch das Kohlenfeuer im Kamine war verglommen und ich hatte heute mein Mittagsessen noch nicht erhalten An die arme verlasseneWaise dachte außer Bessie sicher niemand und diese durfte sich aus Mistreß Reed’s Nähe nicht entfernen sondern mußte immer bei der Hand sein Da ertönten der Harfe liebliche Klänge auch das Pianoforte mußte jemand mit Beschlag belegt haben und somit konnte ich gewiss sein dass die