werde »Wol bin ich hungrig« entgegnete ich »Sie kennen aber das Verbot der Tante und somit lässt sich hierin keine Abänderung treffen.« Bessie lächelte und winkte mir freundlich zu Sie verließ sodann das Zimmer und kam recht bald mit einem gefüllten Teller zurück dessen Inhalt ein Stück kaltes Huhn und ein Kuchen von Bisquitteig ausmachte Nach Fleisch hatte ich weniger Sehnsucht und würde dasselbe nur gegessen haben um meinen Heißhunger zu stillen da ich außer einer Schale Suppe und der durchsichtigen Brotschnitte noch keinen Bissen über meine Lippen gebracht hatte wiewol der Zeiger der Uhr deutlich nachwies dass bereits die neunte Stunde eines äußerst unfreundlichen Abendes im Anmarsche begriffen sei Aber nach dem Kuchen wässerten mir die Zähne nicht als ob ich so begierlich wie hundert andere Kinder gewesen wäre sondern weil ich Mehlspeisen den Fleischspeisen von den Tagen meiner frühesten Kindheit an vorgezogen hatte Mit großer Freundlichkeit richtete nun Bessie das Oberbett zurecht damit der Teller mit seinem lockenden Inhalte in der gehörigen Stellung bleibe allein ich wies dieses Ansinnen entschieden zurück indem ich bemerkte eher den Hungertod zu erleiden als gegen Mistreß Reed’s ausdrückliches Verbot zu handeln indem ich durch diese Uebertretung mein Gewissen mit einer Sünde belasten würde Bessie schien über meine Weigerung noch mehr aber über meinen festen Entschluss etwas betroffen zu sein und sprach mit sichtlicher Verwirrung »Was ich Ihnen reiche dürfen Sie ohne Scheu genießen Sie werden dadurch Ihr Gewissen mit keiner Sünde belasten weil ich die Verantwortung bei Mistreß Reed übernehmen werde.« »Nicht doch liebe Bessie« erwiderte ich indem ich den Teller zurückschob »Verbot bleibt Verbot und so lange dies von Mistreß Reed nicht aufgehoben ist werde ich keinen Bissen anrühren so sehr ich auch vom Hunger gequält werde.« »Haben Sie wirklich so großen Hunger « fragte Bessie im Tone der größten Verwunderung »Ich bin sehr hungerig Bessie« war meine Antwort »ich kann mich aber selbst in die misslichste Lage fügen sobald es die Umstände gebieten und deshalb muß ich Sie bitten den Teller von mir zu entfernen.« »Nein « sagte hierauf Bessie mit einer Feftigkeit die selbst jedem Manne Ehre gemacht haben würde »du muß ich eiligst zu Mistreß Reed um deren Erlaubnis einzuholen« Und in demselben Augenblicke war sie auch aus dem Zimmer ohne auf meine quälende Lage Rücksicht zu nehmen indem ich während ihrer Abwesenheit den Teller vor mir haben mußte gleichsam zur Prüfung meiner Standhaftigkeit Aber bevor ich noch eine Ahnung hatte war sie wieder zurück und erklärte mir mit sichtlicher Freude dass Mistreß Reed ihr Verbot nicht bis in den späten Abend ausgedehnt wissen wollte und ich mich daher schon längst hätte sättigen können Ich muß gestehen dass mir dieser Bescheid der Mistreß Reed sehr gelegen gekommen ist Darum griff ich eiligst zu verzehrte zuerst das Huhn und dann den Kuchen Meine Esslust war so groß dass nichts als die Knochen auf dem Teller zurückblieben Dann gab ich Bessie eine freundliche gute Nacht ließ Mistreß Reed für ihre Güte und Nachsicht die Hand küssen und schlief die ganze