Stöße auf das Schienbein meines rechten Fußes erhalten haben würde dass ich mich vor Schmerz nicht länger auf den Füßen halten konnte und zu Boden sank Diese zweite Mishandlung kam wol nicht von Mistreß Reed sondern von John welcher diese Gelegenheit benützt hatte um seinen Ärger und seinen Übermut wieder an mir zu kühlen Ich wand und krümmte mich auf dem Boden wie ein Wurm der mit den Füßen getreten wird bis auf das Schellen der Tante Miß Abbot kam und mich vom Boden aufraffte »Sind Sie nicht so boshaft Jane und stehen Sie doch wenn man Ihnen schon aufhilft« sagte Abbot zu mir »Ich kann nicht stehen mein Fuß schmerzt mich so« entgegnete ich unter Weinen und Schluchzen Im Laufe dieser Scene hatte sich Mistreß Reed mit ihren Kindern entfernt und die Bessie geschickt Durch ihre Unterstützung ward ich auf mein Zimmer und ins Bett gebracht Die Stöße welche mir John zum Beweise seiner gänzlichen Abneigung zukommen ließ mußten sehr gewaltig gewesen sein denn der Fuß war so arg angeschwollen dass ich den Strumpf gar nicht abnehmen konnte Bessie schien jetzt ganz umgewandelt zu sein Mein Zustand und die unverdiente Züchtigung mußten das Mitleid in ihrem Herzen wach gerufen haben denn zum erstenmale meines Hierseins auf dem Schlosse zu Gateshead schmähte sie auf John und nannte ihn einen rohen zügellosen Menschen was wohl sehr gewagt war Da aber dieser Ausspruch ohne Zeugen geschah so konnte er auch für die Zukunft keine Folgen haben indem auf meine Verschwiegenheit mit voller Bestimmtheit gerechnet werden konnte Bessie hatte sich indessen auf mein Bett gesetzt und mir ernst zugesprochen ja sie hatte mir sogar die Thränen von den Wangen getrocknet und mich geküsst eine Zärtlichkeit die ich mir nicht zu erklären wusste Doch muß ich offen gestehen dass diese Liebe und Theilnahme die ich in Bessie nie gesucht hätte auf mein Gemüt den wohlthätigsten Einfluss übte Der Augenblick schien mir ein günstiger zu sein und ich wollte mich eben mit meiner neuen Beschützerin in ein Gespräch einlassen um über die Bemühungen des Apothekers Aufklärung zu erlangen als die Abbot ins Zimmer trat und erklärte dass Mistreß Reed nach Bessie verlange Durch diesen unliebsamen Zwischenfall war einer meiner schönsten Pläne zu Wasser geworden was mich in meinem Innern ganz verstimmte Wäre mein Gemüt durch die erlittenen Mishandlungen nicht schon aufgeregt gewesen so würde dies zweifelsohne durch die Reden geschehen sein die ich jetzt von Miß Abbot vernehmen mußte Ich schwieg und gab auf keine der gegen mich gerichteten Beschuldigungen eine Antwort sondern wendete mich mit dem Gesichte gegen die Wand drückte die Augen fest zu und that als ob ich schliefe Miß Abbot mußte von Mistreß Reed den Auftrag erhalten haben in Abwesenheit der Bessie bei mir auf dem Zimmer zu bleiben weil sie dasselbe nicht verließ ungeachtet ihr durch mein Schweigen die Gewissheit zu Theil geworden war dass ich schlafe Bessie war lange ausgeblieben es dürfte nach meiner mutmasslichen Berechnung wohl eine gute Stunde gewesen sein während welcher Zeit sich Abbot nicht wenig