meine einzige Gesellschafterin blieb Auch durfte ich seit dem Tage meiner gänzlichen Absonderung nicht mehr lernen was mir den meisten Kummer bereitete denn ich fühlte nur zu deutlich dass meine Bildung bis jetzt noch eine äußerst verkümmerte war Um desto mehr erwachte jetzt die Lernlust in mir und ich suchte auf diesem Wege jene Versäumnisse nachzuholen an denen wahrlich die Schuld nicht bei mir zu suchen war Mistreß Reed schien ihren Kindern verboten zu haben mit mir ferneren Umgang zu pflegen doch konnte es John nicht unterlassen bisweilen auf mein Zimmer zu kommen um mich zu quälen Ich verhielt mich aber in solchen Augenblicken in der größten Entfernung von ihm und erwiderte kein Wort selbst wenn der Junge die gröbstenSchimpfnamen gegen mich ausstieß Da er es aber eines Tages neuerdings wagte auf mich loszustürzen um mich für mein Stillschweigen das er eine unverschämte Bosheit nannte zu züchtigen erhob ich mich mit einem Sprunge von meinem Sitze und streckte ihm dieselben Finger entgegen die ihn schon einmal so arg zugerichtet hatten worauf er mein Zimmer unter den größten Verwünschungen und entehrendsten Beschimpfungen verließ Als John die Thüre im Rücken hatte mußte ich über den ganzen Vorfall herzlich lachen Ich war innerlich froh ein Mittel gefunden zu haben um den rohen Burschen von mir fern zu halten allein der unschuldigen Heiterkeit folgte die Strafe auf dem Fuße John war zu seiner Mama gelaufen und mußte daselbst die ärgsten Beschuldigungen gegen mich vorgebracht haben worüber ich natürlich gar nicht vernommen sondern nur mit einem Fasttage bestraft wurde wo ich außer einer Schale klarer Suppe und einem durchsichtigen Stückchen Brot nichts zu Essen bekam Das Essen hatte nie meine Glückseligkeit ausgemacht da ich stets mit Wenigem zufrieden war Diese Strafe schmerzte mich nur deshalb weil ich sie ganz unverschuldeter Weise ertragen mußte Ich klagte meiner Puppe mein Leidwesen weil ich kein lebendes Wesen hatte vor dem ich meinen Kummer hätte ausschütten können und unterhiel mich eben auf eine ganz harmlose Weise als Mistreß Reed ins Zimmer trat hinter ihr der gallsüchtige John und seine neugierigen und schadenfrohen Schwestern »Jane « rief Mistreß Reed »daher « Ich sprang sogleich auf und legte meine Puppe bei Seite »Wie hast Du Dich unterfangen meinen Sohn neuerdings zu beleidigen « Ich wollte sprechen und meine Unschuld darthun als mir ein donnerndes »Schweig« aus Mistreß Reed’s Munde entgegen fuhr Dieser Schrei hatte mich so sehr überrascht dass ich am ganzen Leibe zitterte und in ein heftiges Weinen und Schluchzen ausbrach »Seht das boshafte Kind « sagte Mistreß Reed zu den Ihrigen »weil es seinen Zorn an niemanden auslassen kann darum weint und heult der Trotzkopf als ob man ihr an’s Leben gienge.« »Nicht doch Tante « sagte ich in meinem Schmerz und wollte mich eben über die Beschuldigungen rechtfertigen als mich Mistreß Reed am Arme erfasste und gegen sich riss Die Ohrfeigen die ich jetzt ganz ungezählt erhielt schienen schon längst reif gewesen zu sein und hätten mich vielleicht weniger geschmerzt wenn ich nicht in demselben Augenblicke so derbe