Speisestunde folglich mußte Mistreß Reed mit ihren Kindern bald zurückkehren Der Gedanke mit dem abscheulichen John dem ich meinen so traurigen und erbärmlichen Zustand zu verdanken hatte neuerdings in Berührung zu kommen und mich denselben Unannehmlichkeiten und Mishandlungen ausgesetzt zu sehen wie früher quälte mich unaussprechlich Mir wurde heiß und bald darauf wieder kalt wenn ich an den Gedanken des Zusammentreffens mit John dachte Ich hatte von Mistreß Reed seit meiner Ankunft in Gateshead viel zu ertragen und dennoch war ich der Frau nicht so gram dass ich derselben etwas Unangenehmes hätte wünschen sollen Auch Eliza und Georgiana hasste ich nicht denn auch sie wären vielleicht freundlicher und weniger theilnahmslos gewesen wenn sie nicht unablässig von dem boshaften und unerträglichen John gegen mich aufgestachelt worden wären In ihm erkannte ich nun den Urheber meines Unglückes und darum »Pfui Jane « sagte »ich jetzt zu mir selbst »Bald würde ein Wort über Deine Lippen gekommen sein das Deiner unwürdig gewesen wäre John hat mir unnennbaren Schmerz bereitet er hat mich gequält wie nur ein roher und gefühlloser Mensch dem Thiere zu thun vermag er hat mich verleumdet verachtet mishandelt ja er hätte mich vielleicht an jenem verhängnisvollen Tage selbst todtgeschlagen wenn es in seiner Macht gelegen wäre allein hassen darf ihn mein Herz dennoch nicht denn dies wäre eine dem Christen ganz unwürdige Handlung Ich will den Menschen von seinen Fehlern und Leidenschaften trennen sie will ich hassen und verabscheuen ihm habe ich in dieser Stunde verziehen.« In demselben Augenblicke klopfte jemand an der Thür Ich fuhr erschreckt von meinem Sitze auf um zu sehen wer es sei ließ mich aber um desto eiliger wieder nieder da ich meine Neugierde für eine unzeitliche und tadelnswerte hielt Allein es war schon zu spät denn in demselben Augenblicke stand Herr Lloyd vor mir und streckte mir die Hand zum Gruß entgegen Wie leicht war mir ums Herz als ich diesen Mann wieder in meiner Nähe wusste Ich konnte jetzt wieder frei aufathmen und Vertrauen fassen das ich zu allen Übrigen im Hause bereits verloren hatte »Wie schon auf « sagte der Apotheker im freundlichen Tone »Wie steht es um Ihr Befinden Miß Jane « Ich zuckte die Achseln und blieb für den Augenblick die Antwort schuldig »Sehe ich recht so haben Sie geweint denn Ihre Augen tragen die Spuren viel verlorner Thränen noch ganz deutlich an sich.« Ich wusste abermals nichts zu antworten oder besser gesagt ich wollte und konnte Herrn Lloyd in Bessie’s Gegenwart die Wahrheit nicht gestehen und da ich mein Gewissen mit keiner Lüge belasten wollte so hielt ich Schweigen für rathsamer Doch für den Augenblick schien mich Bessie zu überheben denn sie bemerkte dem Apotheker dass kaum einige Minuten vergehen wo ich nicht weine Sie sei selbst begierig den Grund meiner Traurigkeit und die Ursache eines so reichlich fließenden Thränenquelles zu erfahren habe aber bisher noch keine Zeit gefunden der Sache auf den Grund zu kommen Herr Lloyd hatte indessen seiner Tasche auf den Grund gefühlt um zu seiner