mich floh wie der Gesunde den Aussätzigen Es war eine schauerliche lange Nacht die ich durchwachte und selbst als der Morgen zu dämmern begann entzog mir der Schlaf diese für mich so nothwendige Erquickung Ich verließ deshalb gegen Mittag das Bett kleidete mich an und nahm in der Nähe des Kamins Platz Dass ich körperlich krank sei fühlte ich wenigstens sagte mir dies das Fieber dessen kalter Schauer mich zeitweise so arg rüttelte dass mir die Zähne klapperten doch bestand mein größtes Leiden in dem geistigen Zustande in dem ich mich seit gestern befand Vielleicht war auch das Fieber eine Folge meiner geistigen Aufregung die nur meine Thränen theilweise beschwichtigen konnte aber im nächsten Augenblicke in desto größerem Maße wieder hervortrat Außer Bessie war niemand im Zimmer denn Mistreß Reed war mit ihren Lieblingen ausgefahren und hatte sich um mich gar nicht bekümmert Ich fühlte diese Zurücksetzung heute mehr als sonst darum that mir die besondere Freundlichkeit mit welcher mir Bessie auch heute begegnete wirklich wohl In tiefes Nachdenken über meinen gegenwärtigen Zustand sowie über meine Zukunft versunken bemerkte ich gar nicht dass Bessie das Zimmer verlassen hatte Sie war nach der Küche gegangen um für mich einen kleinen Imbiss zu holen wiewol ich weder nach Speise noch nach Trank ein Verlangen hatte Bei ihrem Wiedererscheinen in der Kinderstube war ich wirklich überrascht denn Bessie stellte mir einen Teller mit etwas Backwerk hin um wie sie meinte mich ein wenig aufzuheitern So sehr Backwerk zu einer andern Zeit meinem Gaumen mundete und meinen Lieblingsgerichten beizuzählen war so ließ ich heute das Stückchen Torte sammt den Bisquiten doch ganz unbeachtet Bessie schien anfangs meine Abneigung gegen das mir dargebotene Backwerk gar nicht zu bemerken und wurde erst durch Miß Abbot welche indessen in die Kinderstube gekommen war um sich nach Sara dem neuangekommenen Stubenmädchen zu erkundigen aufmerksam gemacht dass mir doch noch nicht ganz wohl sein müsse weil ich sonst sicher zugelangt haben würde Indessen hatte Bessie an ihrem Nähtischchen Platz genommen denn sie mußte für Eliza’s Puppe ein neues Seidenkleid anfertigen welcher Auftrag ihr meiner Erinnerung nach wenigstens gestern zu Theil geworden war Dieser Umstand lenkte ganz unwillkürlich meinen Blick nach der meinem Sitze gegenüber liegenden Ecke wo meine Puppe in einer gewissen Armseligkeit und Verlassenheit lag Zwischen meinem und ihrem Schicksale herrschte die vollste Übereinstimmung Die Zurücksetzung die ich in dem Hause von Mistreß Reed ertragen mußte rieß die alten Wunden neuerdings auf und der Schmerz über mein Unglück und meine Verlassenheit presste mir neuerdings Thränen aus wiewol meine Thränenquelle schon längst hätte versiegt sein sollen »Weinen Sie doch nicht« sagte Bessie zu mir die mich wahrscheinlich durch den Spiegel längere Zeit beobachtet haben mußte Mein Schmerz war aber so groß dass ich ihr gar keine Antwort zu geben vermochte Da gab der dumpfe Schlag der Glocke welche im Frontspitze des Schlosses hing und mit der Uhr in Verbindung stand meinen Gedanken plötzlich eine andere Wendung Der Hammer verkündete die zweite Stunde nach Mittag um drei Uhr war die