und fühlte sich in dessen Nähe recht heimisch Onkel John hatte dem Mädchen von den vielen Schönheiten zu Gateshead erzählt die Liebenswürdigkeit seiner Töchter Eliza und Georgiana gerühmt jedoch des wilden John und der gehässigen Tante mit keiner Silbe erwähnt was der Kleinen bei einigem Nachdenken doch aufgefallen sein mußte John Reed wusste aber den von dem Mädchen an ihn gerichteten Fragen sehr geschickt auszuweichen und bemerkte seiner Nichte mit einigen Worten dass die Tante außerordentlich freundlich und liebenswürdig sei und sich gewiss schon auf ihre Ankunft freue Leider sei die Tante oft kränklich bemerkte der Onkel weiter und dann sei sie in solchen Augenblicken gemeiniglich nicht gut zu sprechen Onkel Reed ermunterte seine Nichte zum willigen Gehorsam und dann werde man sie auch im ganzen Hause bald recht lieb gewinnen Novembertage haben an und für sich wenig Freundliches aufzuweisen da dichte Nebel und feuchtes Wetter überhaupt die steten Begleiter des vorgeschrittenen Herbstes sind Heuer schien diese Jahreszeit eine Ausnahme machen zu wollen denn von Allerheiligen bis zum ersten Adventsonntage hatte man sich im Süden und Westen wie im Osten und Norden von England des herrlichsten Wetters zu erfreuen welches die Reise unserer kleinen Gesellschaft um desto angenehmer machte Es war schon finstere Nacht als der Reisewagen vor dem Schlosse zu Gateshead hielt Onkel Reed bemerkte seiner kleinen Reisegefährtin dass sie an dem Orte ihrer Bestimmung angekommen seien und dieses Schloss mit den vielen Fenstern und Lichtern ihr künftiger Wohnort sein werde Kaum hatte Jane vernommen dass sie am Ziele ihrer Reise angelangt sei so ergriff sie mit ungewöhnlicher Hast die Hand ihres Onkels und sprach mit tiefbewegtem Herzen »Nicht wahr lieber Onkel Sie lassen mir hier kein Leid zufügen « »Beruhige Dich mein Kind ich werde Alles veran lassen um Dir Deinen Aufenthalt auf meinem Schlosse recht angenehm und vergnügt zu machen.« Bei diesen Worten war ein Diener des Hauses an den Wagen herangekommen grüßte seinen Herrn mit den Anzeichen der größten Unterwürfigkeit hob sodann die Kleine aus dem Wagen und nahm Herrn Reed den großen Pelz ab dessen er sich auf der Reise bedient hatte um sich und seine Mündel vor Nässe und Kälte zu schützen Mit hochklopfendem Herzen betrat Jane das Stiegenhaus und folgte dem Onkel ganz instinktmäßig über eine ziemlich hohe aber sehr breite Treppe welche nach dem ersten Stockwerke führte und wo sich auch das Gesellschaftszimmer von Mistreß Reed befand Der Onkel wusste genau dass er hier alle seine Leute beisammen treffen werde um ihnen seinen kleinen Gast vorzustellen deshalb begab er sich mit seiner Nichte unverzüglich nach jenen Räumlichkeiten des Schlosses Hier wurde Jane ihrer Tante und ihren Cousinen vorgestellt den muthwilligen und ränkesüchtigen John sollte Jane erst später kennen lernen denn er war heute etwas früher als sonst zu Bette gegangen da er den ganzen Nachmittag über heftige Kopfschmerzen klagte Mistreß Reed sprach sehr wenig und die kargen Worte die sie an ihre kleine Nichte gerichtet hatte waren voll Hass und Bitterkeit Darum nahm John Reed das Wort und empfahl die Kleine der