und sah dem Fremden frei ins Angesicht Jetzt erst hatte ich mich überzeugt dass kein Fremder sondern ein mir wohlbekannter Herr an meinem Bette sitze dessen Nähe mir doppelt angenehm sein mußte Es war Herr Lloyd ein Apotheker den Mistreß Reed zuweilen nach dem Schlosse rief wenn einem von der Dienerschaft unwohl war für sich und ihre Kinder wurden stets die geschicktesten und renommirtesten Ärzte konsultirt Ich hatte alle Ursache diesem Manne mein unbedingtes Vertrauen zu schenken denn er war stets freundlich und liebevoll gegen mich und mag vielleicht der einzige Mensch auf Gateshead gewesen sein der mein Verhältnis hier im Hause richtig auffasste und das Bedauerliche meiner Lage erkannte Mein freundliches Lächeln mag ihm ein kleiner Beweis gewesen sein dass ich ihn erkannt hatte darum stellte er mit eben so freundlichem Tone die zweite Frage an mich und sagte »Nun wer bin ich « Ich nannte ihn beim Namen und reichte ihm gleichzeitig die Hand zum Beweis des freundlichen Willkommens Herr Lloyd ergriff meine Hand und sagte mit lächelnder Miene »Beruhigen Sie sich Jane es wird bald besser werden.« Mein Zustand mußte für ihn ein befriedigender gewesen sein denn er machte zu meinem größten Leidwesen Anstalten mich zu verlassen Doch ertheilte Herr Lloyd vorerst noch einige Befehle und trug Bessie auf mich ja in meiner Ruhe nicht zu stören Lassen Sie die Kleine nicht allein sprach er weiter und bleiben Sie hübsch in der Nähe damit Sie auf jedesmaliges Verlangen bei der Hand sind Nachdem er versprochen hatte morgen wieder zu kommen grüßte er freundlich und verließ sodann das Zimmer Der Abschied des Mannes blieb für mich nicht ohne Nachwirkung Ich hatte mich in seiner Gesellschaft so wohl befunden meine Sicherheit war durch ihn geborgen und nun war ich wieder so verlassen so auf mich selbst beschränkt wie vor wenigen Stunden Mir war der Mut abermals gesunken ein unaussprechlicher Gram bemächtigte sich meiner der Thränenquell welcher nur auf kurze Zeit versiegt war floss vom Neuen und ich fühlte mich unglücklich wie noch nie Da trat Bessie zu meinem Bette heran und sprach »Fühlen Sie keinen Schlaf Miß « Diese Worte waren mit so viel Freundlichkeit und Theilnahme gesprochen dass mich dieser Ton der Milde und Herzlichkeit nicht wenig überraschte »Ich will es versuchen« antwortete ich auf die an mich gerichtete Frage »Nun so will auch ich mich zur Ruhe begeben« sagte hierauf Bessie »denn es ist bereits Mitternacht vorüber und meine Augen belästigte der Schlaf Sollte Ihnen Unangenehmes begegnen oder ein schwerer Traum Sie belästigen so dürfen Sie blos meinen Rahmen rufen denn ich werde für heute ebenfalls mein Nachtlager in der Kinderstube nehmen.« Bessie ging hierauf in das angränzende Zimmer wo Miß Abbot schlief um sie zu wecken damit sie gleichzeitig mit ihr den Nachtdienst bei mir versehe Es währte ziemlich lange bis beide ihr Nachtlager in meiner unmittelbaren Nähe hergerichtet hatten dann begaben sie sich zur Ruhe und schliefen die ganze Nacht hindurch so fest dass ich sie wahrlich um dieses Glück beneidete da der wohlthätige Schlaf