zum rothen Zimmer heftigen Widerstand leistete und meine ganze Kraft aufbot um mich frei zu machen geschah weder aus Eigensinn noch aus Ungehorsam wie sowol Mistreß Reed als auch Bessie und Miß Abbot der Meinung waren sondern lediglich nur aus Furcht vor meinem Exil Das rothe Zimmer war ein kleiner Saal der noch bei Onkel John Reed’s Lebzeiten dazu diente um größere Gesellschaften zu empfangen und in der Wintersaison einige Konzerte abzuhalten da er ein Freund von Musik und gutem Vortrag war Onkel Reed mag aber nicht ganz Unrecht gehabt haben wenn er den Grundsatz aufstellte dass Leute die an Musik und Blumen kein Vergnügen finden in der Regel auch kein gutes Herz besitzen Sollte sich der Onkel in seinen Ansichten und Erfahrungen auch getäuscht haben so mußte ihm doch in dieser Beziehung seine eigene Familie die nothwendigen Anhaltspunkte geben da die Kinder weder an Blumen noch an einem hübschen Gesange noch an einem Tonstücke von was immer für einer Art eine Freude finden konnten Seit der Onkel die Augen geschlossen hatte wollte sich niemand von der Familie allein in diesem Zimmer aufhalten selbst die Domestiken waren nicht leicht zu bereden bei einbrechender Dämmerung in diesem verrufenen Gemache zu verweilen Der Grund weshalb das ganze Haus vor diesem Zimmer einen gewissen Abscheu hatte lag darin weil Onkel John Reed’s Leiche hier durch drei Tage aufgebahrt lag bevor der Verstorbene zur Ruhe bestattet wurde Schon wenige Wochen nach dessen Beerdigung lief das Märchen von Mund zu Mund dass Onkel John’s Geist hier im rothen Zimmer wie im langen finstern Gange sich zeige Somit war die Furcht bei den Erwachsenen wol albern allein einem kleinen unerfahrenen Mädchen wie Jane war hätte man eine solche übertriebene Furcht wol nachsehen können Im Ganzen war das Zimmer auch jetzt noch prachtvoll ausgestattet wiewol seit des Onkels Tod niemand von demselben Gebrauch machte Die Wände des Zimmers waren mit kostbaren reich verzierten Tapeten versehen deren Gold und Silberverzierung auf rothem Grunde zu dem aus Mahagoniholz gearbeiteten und mit rothem Sammt tapezierten Möbeln im vollen Einklang stand Sonderbarer Weise stand in der Mitte des Zimmers ein von hohen Säulen getragenes und mit Gold und Silber gestickter Draperie versehenes Himmelbett zu dessen beiden Seiten prachtvolle und mit auserlesenen Stickereien gezierte Teppiche lagen Zu den Füssen des Bettes stand ein Tisch welcher mit rothem Seidendamast überdeckt war die übrigen Möbel als Kästen Tische Stüle waren ebenfalls von Mahagoniholz An der einen Wand hing ein ziemlich großer Spiegel mit einem breiten zierlich geschnitzten Goldrahmen und diesem gegenüber das wohlgetroffene Porträt des Verstorbenen in dessen Zügen ein gewisser wehmutvoller Ausdruck nicht zu verkennen war Dieses Zimmer war kalt weil darin nie oder doch nur äußerst selten Feuer angemacht wurde es war still weil es von der Kinderstube und den übrigen bewohnten Gemächern ziemlich entfernt lag und niemand eine Ehre darein setzte in demselben auch nur die nothwendigsten Arbeiten wozu unmittelbar Lüften und Abstauben der Möbel gerechnet werden mußte zu verrichten Selbst Mistreß Reed kam nur äußerst selten hieher Und wenn dies