ich war ehrlich und von meinen Ältern wohl erzogen ein Kleinod das ich um alle Schätze der Welt nicht hingegeben haben würde und wofür ich den Dahingeschiedenen jetzt wie auch noch in den folgenden Jahren dankte Ich würde alles leicht unberührt dahin genommen haben wenn John nur nicht meine Ältern die kein anderes Verbrechen an sich trugen als ihre Armut im Grabe verschont haben würde Dass meine Ältern ehrliche und biedere Menschen gewesen sein mußten das fühlte ich jetzt mehr als dies vielleicht zu einer andern Zeit der Fall gewesen wäre auch hätte ich sonst nicht ihre leibliche Tochter sein können Ich zitterte an allen Gliedern ein frostiger Schauer durchzog meinen ganzen Leib und in demselben Augenblicke fühlte ich meinen Körper von einer Gluthitze ergriffen die ich mir nicht zu deuten wusste Meine Wangen mußten hochroth gefärbt gewesen sein denn sie brannten mich wie glühende Kohlen nur es zu thun vermögen Jetzt oder nimmer dachte ich mir Die Ehre deiner Ältern ist angegriffen ihr guter Ruf gebrandmarkt und ihr tadelloser Wandel selbst noch im Grabe von einem mutwilligen Schulknaben befleckt John soll John muß das ganze Haus muß es beweisen dass meine Ältern ehrliche Leute waren Ich wäre nicht ihr Kind ihre vielgeliebte Jane die Vater und Mutter täglich und stündlich mit ihrer Liebe und Zärtlichkeit überhäuften wenn ich hierzu schweigen könnte Fluch den Kindern die ihre Ältern misachten und deren Ehre von bösen Zungen antasten und verunglimpfen lassen ohne sich ihrer anzunehmen und dieselben zu vertheidigen Doch plötzlich trat eine gänzliche Änderung meines aufgeregten Gemütes ein Gleichsam von einer unsichtbaren Macht ergriffen sah ich im Geiste meine Ältern vor mir die Friedenspalme zwischen den gefalteten Händen haltend winkten sie mir freundlich und wohlwollend zu Mir schwanden die Sinne ich wusste nicht wie mir geschah Ein unnennbar wohlthätiges Gefühl durchzuckte mein Herz Ich erinnerte mich in demselben Augenblicke an die Worte des Pater Anton der meinen seligen Vater oft besucht und ihn darauf hingewiesen hatte daß Selbstbeherrschung eine Kunst sei die nur wenigen Menschen eigen ist Ach wäre dieser fromme Priester noch am Leben dann stünde es wol anders um mich Ich bot also meine ganze Kraft auf um mich zu beherrschen Die Lehren des Pater Anton waren für meinen Vater von großem Nutzen sie sollten es nun auch für mich sein Nie und nimmer wollte ich meinen Ältern nachstehen ihnen wollte ich in Allem und Jedem gleichen Ich hatte bereits ausgerungen der Kampf der sich in meinem Herzen entsponnen hatte war ein furchtbarer und dennoch hatte ich denselben durch meine Selbstbeherrschung überwunden Ich that also was John von mir verlangte und stellte mich ohne die geringste Widerrede an den bezeichneten Ort Ich hatte keine Ahnung was der lose Junge jetzt zu thun gesonnen sei Als er aber die Hand in die Höhe hob und das Buch in der Luft mehrmals schwang um seines Wurfes sicher zu sein da suchte ich mich vor einem so kräftigen Schlag zu schützen In meiner Angst mag ich wol das beste Mittel nicht gewählt