Rochesters Besuche hier auch nur selten sind so kommen sie ebenfalls stets unerwartet und plötzlich und da ich bemerkt habe daß es ihm mißfällt wenn er alles eingehüllt findet so dachte ich mir es sei das Beste die Zimmer stets in Bereitschaft zu halten Ist Mr Rochester ein strenger und anspruchsvoller Herr fragte ich Das gerade nicht aber er hat den Geschmack und die Gewohnheiten eines Gentleman und er erwartet daß alle Dinge sich danach einrichten Mögen Sie ihn gern Ist er allgemein beliebt O ja Die Familie hat hier stets in großer Hochachtung gestanden Seit undenklichen Zeiten hat alles Land in der Gegend soweit das Auge reicht den Rochesters gehört Gut aber ist er auch beliebt ganz abgesehen von seinen Besitzungen Ich glaube wohl daß seine Pächter ihn als einen freigebigen und gerechten Herrn betrachten aber er hat niemals viel unter ihnen gelebt.’ Aber hat er keine Eigentümlichkeiten Kurz wie ist sein Charakter O sein Charakter ist fleckenlos Er hat seine Eigenheiten ich vermute daß er viel gereist ist und viel von der Welt gesehen hat Ich glaube auch daß er sehr klug ist aber ich habe mich noch nicht viel mit ihm unterhalten Welche Eigenheiten hat er Ich weiß es nicht Das ist nicht so leicht zu beschreiben nichts besonderes Auffallendes aber man fühlt es wenn man mit ihm spricht Man weiß niemals ob er im Scherz oder im Ernst redet ob er sich freut oder ob er sich ärgert Wenigstens ich verstehe ihn nicht Aber das schadet ja nichts er ist ein sehr guter Herr Dies war alles was ich von Mrs Fairfax über ihren Herrn und den meinen erfahren konnte Es gibt Leute welche meist nicht imstande zu sein scheinen einen Charakter beschreiben zu können und weder bei Menschen noch bei Dingen hervorragende Eigentümlichkeiten bemerken und augenscheinlich gehörte die gute Dame zu diesen meine Fragen verblüfften sie konnten aber nichts aus ihr herausbringen Mr Rochester war in ihren Augen Mr Rochester ein Gentleman ein Gutsbesitzer nichts anderes sie wunderte sich augenscheinlich über meinen Wunsch eine bestimmte Vorstellung seiner Person zu bekommen Als wir das Speisezimmer verließen schlug sie mir vor mir den übrigen Teil des Hauses zu zeigen und ich folgte ihr treppauf treppab und bewunderte alles denn alles war schön eingerichtet Besonders die Vorderzimmer erschienen mir prächtig und einige der Zimmer des dritten Stocks waren interessant durch ihr altertümliches Aussehen Die Möbel welche einst für die unteren Gemächer angeschafft worden waren je nach den Anforderungen der Mode von Zeit zu Zeit hier heraufgeschafft und das unzulängliche Licht welches durch die niederen Fenster eindrang fiel auf Bettstellen welche wohl ein Jahrhundert alt waren Truhen aus Nuß und Eichenholz sahen mit ihren seltsamen Schnitzereien von Palmenzweigen und Engelsköpfen aus wie die Typen der alttestamentlichen Bundeslade Reihen von ehrwürdigen Stühlen mit schmalen und hohen Lehnen noch ältere Lehnstühle auf deren gepolsterten Lehnen noch Spuren halbverblaßter Stickereien zu erkennen waren welche vor zwei Generationen von Fingern gearbeitet waren die längst zu Staub zerfallen waren Die Ruhe das Dämmerlicht die