Miene von geläutertem Anstand in ihrer Sprache welches jede Abweichung in das Feurige Erregte Ungestüme ausschloß ein etwas welches die Freude jener heiligte welche ihr zuhörten welche sie anblickten und allen ein Gefühl der Ehrfurcht einflößte In diesem Augenblick war es auch meine Empfindung was aber Helen Burns anbetraf so überraschte sie mich aufs höchste Das erfrischende Mahl das wärmende Feuer die Gegenwart ihrer geliebten Lehrerin oder vielleicht mehr als alles dies etwas in ihrem eigenen seltenen Gemüt hatte alle Kräfte und Gaben in ihr geweckt Sie erwachten sie entflammten zuerst glühten sie in den strahlenden Farben ihrer Wangen welche ich bis zu dieser Stunde niemals anders als bleich und blutleer gekannt hatte dann strahlten sie in dem feuchten Glanz ihrer Augen welche plötzlich eine Schönheit bekommen hatten die noch eigentümlicher war als jene Miß Temples eine Schönheit die weder in der schönen Farbe noch in den langen Wimpern oder den herrlich gezeichneten Augenbrauen lag sondern in dem Ausdruck in der Bewegung in dem Glanz jetzt trug sie das Herz auf der Zunge und die Sprache floß aus welcher Quelle weiß ich nicht denn hat ein vierzehnjährige Mädchen ein Herz das groß genug stark und kräftig genug ist um den brausenden Quell der reinen vollen feurigen Beredsamkeit fassen zu können Dies war die Eigenart von Helens Gespräche an diesem mir unvergeßlichen Abende es war als wolle ihr Geist sich beeilen in einer kurzen Spanne Zeit ebenso voll und ganz zu leben wie die meisten Menschen während eines langen Daseins Sie sprachen über Dinge von denen ich niemals gehört hatte von längst geschwundenen Zeiten und Nationen von fernen Ländern von entdeckten oder nur geahnten Naturgeheimnissen sie sprachen von vielen Büchern die sie gelesen hatten Dann schienen sie so vertraut mit französischen Namen und französischen Schriftstellern aber mein Erstaunen stieg aufs höchste als Miß Temple Helene fragte ob sie zuweilen einen freien Augenblick erübrigen könne um das Latein welches ihr Vater sie gelehrt hatte zu wiederholen dann nahm sie ein Buch von einem Bücherbrett und bat sie eine Seite des Vergil zu lesen und zu übersetzen Helene gehorchte und meine Verehrung wuchs während ich lauschte Kaum hatte sie geendet als die Glocke ertönte welche die Zeit des Schlafengehens verkündete wir durften nicht länger verweilen Miß Temple sagte während sie uns an ihr Herz zogt Gott segne euch meine Kinder Helene hielt sie ein wenig länger ans Herz gedrückt als mich sie ließ sie widerstrebender von sich Helene folgte ihr Auge bis an die Tür ihr galt die Träne welche sie schnell zu trocknen bemüht war Als wir das Schlafzimmer erreichten hörten wir Miß Scatcherds Stimme sie sah nach ob die Schiebladen in Ordnung waren gerade hatte sie jene von Helene Burns herausgezogen und als wir eintraten wurde Helene mit einem scharfen Verweise begrüßt und die Lehrerin kündigte ihr an daß ihr am folgenden Tage ein halbes Dutzend unordentlicher Dinge an die Schulter geheftet werde Meine Sachen befanden sich allerdings in einer auffälligen Unordnung flüsterte Helene mir zu ich hatte die Absicht gehabt