stets so fröhlich und liebenswert sein und mich niemals wieder umherstoßen oder schelten oder mich ungerecht beschuldigen möchte wie es doch meistens ihre Gewohnheit war Ich glaube daß Bessie Lee ein Mädchen mit guten natürlichen Anlagen gewesen sein muß denn in allem was sie tat war sie flink und geschickt außerdem hatte sie ein eigentümliches Erzählertalent oder wenigstens schien mir es so nach dem Eindruck welchen ihre Kinderstubengeschichten auf mich machten Sie steht vor mir schlank und jung mit schwarzem Haar dunklen Augen sehr hübschen Zügen und einer klaren gesunden Gesichtsfarbe aber sie war von heftigem und launenhaftem Temperament und doch wie und was sie auch sein mochte sie war mir lieber als irgend ein anderes lebendes Wesen in Gateshead-Hall Es war am 15 Januar ungefähr gegen neun Uhr morgens Durch das Fenster war die Fahrstraße sichtbar und gerade als ich so viel von den gefrorenen Fensterscheiben fortgehaucht hatte um hinausblicken zu können sah ich daß die Pforten geöffnet wurden und ein Wagen durch das Tor rollte Er hielt vor dem Hause die Glocke wurde heftig gezogen der Besucher erhielt Einlaß Es war etwa eine Viertelstunde vergangen als Bessie atemlos in die Kinderstube stürzte Miß Jane nehmen Sie Ihre Schürze ab Haben Sie heute morgen Gesicht und Hände schon gewaschen Bevor ich antwortete streute ich noch einige Brotkrumen für die hungernden Vögel auf das Fenstergesims dann erst schloß ich das Fenster und entgegnete Nein Bessie ich bin erst jetzt mit dem Staubwischen fertig geworden Unartiges unordentliches Mädchen Und was machen Sie da jetzt Die Antwort blieb mir erspart denn Bessie hatte es eilig sie zerrte mich an den Waschtisch rieb meine Hände und mein Gesicht erbarmungslos mit Seife Wasser und einem groben Handtuch ordnete mein Haar mit einer scharfen Bürste band meine Schürze los und riß mich dann schnell an die Treppe wo sie mir gebot eilig hinunterzugehen da man mich im Frühstückszimmer erwarte Ich hätte gern gewußt wer mich erwartete gern hätte ich gefragt ob Mrs Reed da sei aber Bessie war schon wieder davongelaufen und hatte die Kinderstubentür hinter sich geschlossen Langsam ging ich die Treppe hinunter Seit fast drei Monaten hatte Mrs Reed mich nicht mehr rufen lassen seit dieser Zeit war ich auf die Kinderstube angewiesen gewesen und das Frühstückszimmer der Speisesaal und der Salon waren für mich Regionen geworden die ich nur mit Schrecken und Angst betreten konnte Ich stand jetzt in der leeren Halle vor mir war die Tür des Frühstückszimmers zitternd und furchtsam hielt ich inne Welch einen elenden kleinen Feigling hatte die Furcht vor ungerechter Behandlung in jenen Tagen aus mir gemacht Ich fürchtete mich in die Kinderstube zurückzugehen ich fürchtete mich in das Wohnzimmer einzutreten Zehn Minuten stand ich ängstlich zögernd da das heftige Klingeln der Glocke im Frühstückszimmer entschied ich mußte eintreten Wer konnte nach mir verlangen fragte ich mich als ich mit beiden Händen die Türklinke erfaßte welche mehrere Sekunden meinen Anstrengungen widerstand Wen würde ich noch außer Tante Reed in dem Zimmer erblicken Einen Mann oder eine Frau