ist nicht sehr versöhnlich brach mit seiner Familie und hat jetzt seit vielen Jahren ein unstetes Leben geführt Ich glaube nicht daß er sich je vierzehn Tage nach einander in Thornfield auf gehalten hat seit sein Bruder ohne Testament ge storben und er der Besitzer des Stammgutes geworden ist auch wundert es mich in der That nicht daß er das alte Haus meidet Warum sollte er es denn meiden ’ Vielleicht hält er es für unheimlich.’ Ich hätte eine etwas klarere Antwort gewünscht aber Mistreß Fairfax konnte oder wollte mir keine vollständigere Auskunft über die Familiengeschichte des Herrn Rochester gewähren Sie behauptete es wäre für sie selbst ein Geheimnis und was sie wisse beruhe größtentheils nur auf Vermuthungen Offenbar wünschte sie ich möge den Gegenstand ruhen lassen was ich folglich auch that Vierzehntes Capitel Während der folgenden Tage sah ich Herrn Rochester wenig In den Morgenstunden schien er Geschäfte zu haben und Nachmittags kamen gewöhnlich Herren aus Millcote oder aus der Nach barschaft und blieben zuweilen zur Tafel bei ihm Als sein Fuß so weit wieder hergestellt war daß er sein Pferd besteigen konnte ritt er viel aus wahrscheinlich um die empfangenen Besuche zu erwidern und kam gewöhnlich erst spät in der Nacht zurück Selbst nach Adelen verlangte er während dieser Zeit nur selten und meine Begegnungen mit ihm beschränkten sich auf ein zufälliges Zusammentreffen in der Vor halle auf der Treppe oder in der Gallerie wo er zuweilen stolz und kalt an mir vorüberging meinen Gruß nur mit vornehmem Nicken oder kaltem Blicke erwidernd zuweilen aber auch verneigte er sich und lächelte mit cavaliermäßiger Freundlichkeit Seine wechselnde Stimmung beleidigte mich nicht weil ich wußte daß ich keine Schuld daran hatte die Ebbe und Flut hingen von Ursachen ab die durchaus nicht mit mir in Verbindung standen Eines Tages hatte er Gesellschaft zum Mittagessen und ließ meine Zeichenmappe holen ohne Zweifel um den Inhalt derselben vorzuzeigen Die Herren gingen früh fort um einer öffentlichen Versammlung in Millcote beizuwohnen wie Mistreß Fairfax mir sagte aber da der Abend naß und unfreundlich war so begleitete Herr Rochester seine Gäste nicht Bald nach ihrer Entfernung wurde geklingelt und es kam die Aufforderung an mich und Adele herunter zu kommen Ich bürstete Adelens Haar und machte es zierlich zurecht und nachdem ich mich überzeugt hatte daß ich selber mit meiner gewöhnlichen quäkerhaften Zierlichkeit gekleidet war und daß es nichts mehr zu ordnen gab stiegen wir hinunter indem Adele die lebhafte Erwartung aussprach der Koffer werde endlich angekommen sein denn durch irgend ein Ver sehen hatte sich die Ankunft desselben noch immer verzögert Adelens Erwartung wurde befriedigt denn ein Carton stand auf dem Tische als wir in das Speisezimmer traten Meine Geschenke meine Geschenke rief sie indem sie darauf zueilte Ja da sind deine Geschenke endlich nimm sie in einen Winkel du echte Tochter von Paris und unterhalte dich damit sie auszupacken sagte die tiefe und etwas sarkastische Stimme des Herrn Rochester die aus einem ungeheuren Lehnstuhle neben dem Kamin hervorkam Und nun merke dir