Meine Schülerin war ein lebhaftes und verzogenes Kind dem man viel nachgesehen hatte sie war daher oft geneigt nach ihrem eigenen Kopfe zu handeln Da aber keine unverständige Ein mischung von irgend einer Seite meine Erziehungspläne durchkreuzte so vergaß sie bald ihre kleinen Grillen und wurde gehorsam und lernbegierig Sie besaß keine großen Talente keine hervorragenden Charakterzüge keine eigenthümliche Entwickelung des Gefühls oder Geschmacks was sie nur um einen Zoll über die gewöhnliche Stufe ihres Alters erhoben hätte aber sie hatte auch keine Fehler die sie unter dieselbe stellten Sie machte ganz erträgliche Fort schritte hegte für mich eine lebhafte wenn auch viel leicht nicht sehr tiefe Neigung und flößte mir durch ihre Einfacheit durch ihr heiteres Geplauder und ihre Bemühungen mir zu gefallen einen Grad von Anhänglichkeit ein der unser gegenseitiges Verhältnis zu einem angenehmen machte Von Zeit zu Zeit ging ich allein in der Umgebung spazieren oder stieg durch die Fallthüre auf das Bleidach hinauf und ließ meine Blicke über die einsamen Felder und Hügel sowie über die trübe Linie des Himnmels schweifen Dann wünschte ich mir oft daß die Kraft meines Auges über diese Grenzen hinausreichen und mir die geschäftige Welt die Städte und die Regionen voll Leben zeigen wo von ich gehört die ich aber nie gesehen Ich beklagte in solchen Augenblicken daß es mir an Welterfahrung fehlte und wünschte mir mehr Umgang mit meinem Geschlecht und die Bekanntschaft mit interessanteren Charakteren als sie hier zu finden waren Ich schätzte alles Gute an Mistreß Fairfax und an Adelen aber ich glaubte es müsse eine andere eine lebensvollere Güte geben und ich wünschte das was ich glaubte mit eigenen Augen zu sehen Wer tadelt mich Viele ohne Zweifel und sie werden mich unzufrieden nennen Ich konnte mir nicht helfen die Ruhelosigkeit lag in meiner Natur und sie regte mich auf so daß sie sich zuweilen bis zu schmerzlicher Empfindung steigerte Dann war es meine einzige Erholung in der Stille und Einsamkeit des Corridors des dritten Stocks auf und abzugehen und bei den Visionen zu verweilen die sich vor meinem geistigen Auge erhoben Utd es waren ihrer viele und prächtige und farbenglühende die mein Herz sehnsüchtig schwelien ließen und meine Einbildungskraft erfand sich eine nie endende Geschichte welche mich mit Leben Feuer und Empfindungen erfüllte die mein wirkliches Dasein mir nicht bot Es ist unrichtig zu behaupten daß menschliche Wesen mit der Ruhe zufrieden sein sollten sie müssen Thätigkeit haben und sie werden sich diese schaffen wenn sie sich nicht von selbst findet Millionen sind zu einem stilleren Geschick als das meine verurtheilt und Millionen befinden sich in schweigender Empörung gegen ihr Loos Niemand weiß wie viele Rebellionen außer den politischen in den Massen gähren die die Erde bevölkern Die Frauen hält man gewöhnlich für sehr ruhig aber die Frauen bedürfen gerade so wie die Mäniner eines Uebungsfeldes für ihre Fähigkeiten sie leiden unter einem zu strengen Zwange und sind zum völligen Stillstande verurtheilt und es ist eine Engherzigkeit von ihren bevorzugten Mitgeschöpfen sie zu verlachen wenn sie