Thränen und unterdrückte mein Schluchzen da ich fürchtete es könne mich plötzlich eine übernatürliche Stimme nach der Ursache meines Kummers fragen und mich trösten oder es könne in der Dunkelheit ein geisterhaftes Gesicht erscheinen und sich mitleidig über mich beugen Ich fühlte daß diese an sich tröstliche Idee in der Wirklichkeit schrecklich sein werde und bemühte mich mit aller Macht sie zu unterdrücken Ich schüttelte mein Haar aus meinen Augen erhob den Kopf und versuchte mich kühn in dem dunklen Zimmer umzusehen In diesem Augenblick schimmerte ein Licht an der Wand Sollte es ein Strahl des Mondes ein der durch eine Oeffnung des Fensterladens fällt fragte ich mich Nein das Mondlicht steht still aber dieses hier bewegt sich Während ich noch hinblickte erhob es sich zur Decke und bebte über meinem Haupte Ich vermuthete jetzt daß dieser Lichtschimmer von einer Laterne herrührte die Jemand über den Rasenplatz trug aber da mein Geist auf etwas Entsetzliches vorbereitet und meine Nerven durch Aufregung erschüttert waren hielt ich den wandelnden Strahl für den Vorboten einer Erscheinung aus der anderen Welt Mein Herz schlug heftig ich glaubte ein Geräusch wie das Rauschen von Flügeln zu vernehmen es schien etwas in meiner Nähe zu sein ich war athemlos und glaubte zu ersticken Das konnte ich nicht länger ertragen ich stürzte mich auf die Thür zu und schüttelte das Schloß mit verzweifelter Anstrengung Es eilte Jemand den äußeren Gang daher der Schlüssel wurde umgedreht und Bessie und Abbot traten ein Welch ein schrecklicher Lärm Es ist mir in alle Glieder gefahren rief Abbot Laßt mich heraus schrie ich Weshalb Ist Ihnen etwas geschehen Haben Sie etwas gesehen fragte Bessie O ich sah ein Licht und glaubte es würde ein Geist kommen Sie hat absichtlich geschrieen behauptete Abbot gehässig sie wollte uns nur hierher locken ich kenne ihre listigen Ränke Was soll das heißen fragte eine gebieterische Stimme und Mistreß Reed kam mit flatternder Haube und stürmisch rauschendem Kleide den Corridor daher Abbot und Bessie ich meine doch befohlen zu haben Johanna Eyre solle in dem rothen Zimmer bleiben bis ich sie selber herauslasse Miß Johanna schrie so laut Madame sagte Bessie entschuldigend Laß sie nur war die Antwort Laß Bessie's Hand los Kind es wird dir nicht gelingen auf solche Weise herauszukommen Ich verabscheue die List besonders bei Kindern es ist meine Pflicht dir zu zeigen daß du durch Ränke nicht deinen Zweck erreichst Du wirst jetzt eine Stunde hier länger bleiben und nur unter der Bedingung der vollkommenen Unterwürfigkeit werde ich dich dann befreien O Tante haben Sie Mitleid Verzeihen Sie mir Ich fürchte mich so sehr in diesem Zimmer bestrafen Sie mich auf eine andere Weise Ich werde sterben wenn Still gebot Mistreß Reed diese Heftigkeit ist schändliche Verstellung So kam es ihr ohne Zweifel vor Ich war in ihren Augen eine frühreife Schauspielerin in deren Charakter sich glühende Leidenschaften mit gefährlicher Falschheit vereinigten Als Bessie und Abbot sich zurückgezogen hatten schob mich Mistreß Reed aufgebracht über meine wahnsinnige Angst und mein heftiges Schluchzen