Alles was ich wünsche ist jetzt anderswo zu dienen Kann ich nicht so weit meinen eigenen Willen haben Läßt sich die Sache nicht leicht ausführen Ich setzte mich aufrecht im Bette und begann nachzudenken Was bedarf ich Eine neue Stellung in einem neuen Hause unter neuen Gesichtern und neuen Ver hältnissen ich will dies weil es unnütz wäre etwas Besseres zu wollen Wie machen es die Leute um eine neue Stelle zu bekommnen Sie wenden sich ver muthlich an Freunde ich habe aber keine Freunde Es gibt viele Andere die auch keine Freunde haben und die müssen ihre eigenen Helfer sein und welches ist ihr Auskunftsmittel Wer eine Stelle sucht macht es bekannt du mußt es also im „Herold“ der Grafschaft M bekannt machen Du mußt die Ankündigung und das Geld dafür an den Herausgeber des „Herold“ addressiren und bei der ersten Gelegenheit zu Lowton auf die Post geben Die Antworten sollen unter J E an das dortige Postamt adressirt werden du kannst ja eine Woche später nach einem Briefe fragen wenn einer kommen sollte und darnach handeln Diesen Plan überlegte ich zwei bis dreimal dann war er in meinem Geiste gereift ich fühlte mich beruhigt und schlief ein Mit Anbruch des Tages stand ich auf und schrieb meine Ankündigung Sie lautete folgendermaßen Eine junge Dame die im Unterrichten geübt ist war ich nicht zwei Jahre Lehrerin gewesen wünscht eine Stellung in einem Privathause wo die Kinder unter vierzehn Jahren sind ich dachte da ich selber erst achtzehn war so würde es nicht gut sein die Leitung von Schülerinnen zu übernehmen die mir an Alter näher ständen Sie ist befähigt in den gewöhnlichen Lehrfächern die eine gute englische Erziehung voraussetzt so wie auch im Französischen im Zeichnen und in der Musik zu unterrichten Briefe unter J E werden von dem Postamte zu Lowton befördert Nach dem Thee bat ich die Vorsteherin nac h Lowton gehen zu dürfen um einige kleine Geschäfte für mich und einige der anderen Lehrerinnen zu besorgen Die Erlaubnis wurde mir bereitwillig ertheilt und ich ging Es war ein Gang von einer Stuntde und das Wetter naß aber die Tage waren noch lang ich besuchte einige Läden schob den Brief in einen Briefkasten auf dem Posthause und kehrte in heftigem Regen mit durchnäßten Kleidern aber erleichtertem Herzen zurück Die folgende Woche schien mir sehr lang endlich aber erreichte sie doch ihr Ende und gegen Schluß eines angenehmen Herbsttages befand ich mich wieder zu Fuß auf dem Wege nach Lowton Beiläufig gesagt war es ein angenehmer Weg denn er führte am Ufer des Baches hin und durch die lieblichsten Krüm mungen des Thales aber an dem Tage dachte ich mehr an die Briefe die meiner vielleicht in der kleinen Stadt warteten als an die Reize der Gegend Im Posthause versah eine alte Dame die eine Hornbrille auf der Nase und schwarze Pulswärmer an den Händen trug den Dienst Sind vielleicht Briefe für J E angekommen fragte ich Sie starrte mich über die Brille weg an öffete dann ein