der Nacht um auf einige Stunden Ruhe zu suchen Die Lehrerinnen waren vollauf mit Einpacken und anderen Vorkehrungen zur Abreise derjenigen Mädchen beschäftigt die glücklich genug waren Freunde oder Verwandte zu besitzen zu denen sie sich von dem Orte der Ansteckung flüchten konnten Viele die schon den Stoff der Krankheit in sich trugen kamen nur nach Hause um dort zu sterben einige starben in der Schule und wurden rasch und in der Stille begraben da die Beschaffenheit der Krankheit den geringsten Aufschub verbot Während Krankheit und Tod Furcht und Trauer in Lowood herrschten während es in den Zimmern und Gängen wie in einem Hospitale roch und man vergebens bemüht war durch Mixturen und Pillen der Seuche Einhalt zu thun schien jener heitere Mai unbewölkt über Hügel und Wälder hin Der Garten war mit Blumen überkleidet Rosenpappeln waren hoch wie Bäume aufgeschossen Lilien hatten sich ge öffnet Tulpen und Rosen blühten die Einfassungen der kleinen Beete waren mit dunklen und hellrothen Seenelken und gefüllten Maßliebchen übersäet die Veilchen verbreiteten Morgens und Abends ihren Duft und alle diese Schätze waren nutzlos für die meisten Bewohnerinnen von Lowood außer um von Zeit zu Zeit einen Sarg zu schmücken Aber ich und die Uebrigen welche gesund blieben erfreuten uns der Schönheiten der Gegend und der Jahreszeit Man ließ uns vom Morgen bis zum Abend wie Zigeunerkinder im Walde umherschweifen wir thaten was uns gefiel gingen wohin wir wollten und erhielten auch bessere Kost Herr Brocklehurst und seine Familie kamen jetzt nie nach Lowood die strenge Haushälterin war fort denn die Furcht vor der Ansteckung hatte sie weggetrieben und ihre Nachfolgerin eine Matrone die in der Anstalt zu Lowton gewesen war und die Gebräuche ihres neuen Aufenthaltes nicht kannte hatte durchaus keine kargende Hand Ueberdies waren weniger Kinder zu speisen als sonst und die Kranken konnten wenig essen unsere Frühstückstassen waren besser gefüllt wenn die Haushälterin keine Zeit hatte ein regelmäßiges Mittagsessen zu bereiten so gab sie uns ein großes Stück kalte Pastete oder einige dicke Schnitten Brot und Käse und dies nahmen wir mit uns in den Wald wo jede sich den Ort aufsuchte der ihr am besten gefiehl und heiter das Mahl verzehrte Mein Lieblingssitz war ein Stein der sich weiß und trocken aus der Mitte des Baches erhob und nur zu erreichen war wenn man durch das Wasser watete was ich that nachdem ich Schuhe und Strümpfe ausgezogen hatte Der Stein war gerade breit genug um mir und einem anderen Mädchen das ich mir zu jener Zeit als Gesellschafterin aus gewählt hatte bequem als Sitz zu dienen Es war Maria Anna Wilson eine kleine Person von scharfer Beobachtungsgabe an deren Gesellschaft ich besonders Vergnügen fand weil sie witzig und originell war und weil sich 's gut mit ihr umgehen ließ Einige Jahre älter als ich wußte sie mehr von der Welt und konnte mir vieles erzählen was ich gern hörte Bei ihr fand meine Neugierde Befriedigung auch gegen meine Fehler war sie nachsichtig und suchte mich nie zu zügeln oder zu lenken