wie ich oft von der Dienerschaft habe sagen hören nahm ihr mein Onkel ehe er starb das Versprechen ab daß sie mich stets bei sich behalten wolle Nun Johanna du weißt oder wenn nicht so will ich es dir sagen daß wenn ein Verbrecher angeklagt wird es ihm stets erlaubt ist zu seiner eigenen Ver teidigung zu sprechen Du bist als Lügnerin angeklagt worden vertheidige dich also gegen mich so gut du kannst Erzähle mir Alles dessen du dich genau erinnerst aber füge nichts hinzu und übertreibe nichts Ich beschloß sehr gemäßigt und sehr bestimmt zu sein und nachdem ich einige Minuten nachgedacht um das im Zusammenhange zu ordnen was ich zu sagen hatte erzählte ich die ganze Geschichte meiner traurigen Kindheit An Helenens Warnung denkend mich nicht dem Rachegefühl hinzugeben enthielt ich mich jeder Bitterkeit So maßvoll gehalten machte meine Erzählung den Eindruck der Wahrheit und ich fühlte daß Miß Temple mir vollkommenen Glauben schenkte Ich erwähnte auch Herrn Lloyd der mich in meiner Krankheit besuchte denn wie hätte ich der für mich so schrecklichen Episode des rothen Zimmers vergessen können Selbst in meiner Erinnerung noch hatte die Todesangst sich frisch erhalten die mein Herz packte als Mistreß Reed meine dringende Bitte um Verzeihung zurückwies und mich zum zweiten Mal in das dunkle und geisterhafte Zimmer einschloß Ich hatte meine Erzählung beendet Miß Temple sah mich einige Minuten schweigend an und sagte darauf Ich kenne Herrn Lloyd zufällig und werde an ihn schreiben Wenn seine Antwort mit deiner Angabe übereinstimmt so sollst du öffentlich von jeder Beschuldigung freigesprochen werden für mich bist du es schon jetzt Johanna Sie küßte mich und behielt mich noch an ihrer Seite wo ich gern stand denn ich empfand ein kindliches Vergnügen daran ihr Gesicht ihre dichten und schimmernden Locken und ihre glänzenden schwarzen Augen zu betrachten Dann wandte sie sich an Helene Burns Wie befindest du dich diesen Abend Helene Hast du heute viel gehustet Nicht sehr viel meine ich mein Fräulein Und der Schmerz in deiner Brust Ist ein wenig besser Miß Temple faßte ihre Hand und fühlte ihren Puls dann hörte ich sie tief seufzen Sie war einige Minuten nachdenkend faßte sich dann wieder und sagte heiter Ihr Beide seid heute Abend meine Gäste und ich werde Euch als solche bewirthen Bei diesen Worten klingelte sie Barbara sagte sie zu der Dienerin welche eintrat ich habe noch keinen Thee bekommen bringe das Theezeug herein und auch Tassen für diese beiden juungen Damen Das Theegeschirr wurde bald hereingebracht Wie hübsch erschienen meinen Augen die chinesischen Tassen und der glänzende Theetopf auf dem kleinen runden Tische am Feuer Wie angenehm war der Duft des Getränkes und der Geruch des gerösteten Brotes wovon ich zu meinem Schrecken denn ich begann Hunger zu empfinden nur eine sehr kleine Portion bemerkte Miß Temple wurde auch darauf aufmerksam Barbara sagte sie kannst du mir nicht noch ein wenig Brot und Butter bringen Es ist nicht genug für Drei Barbara ging hinaus und kehrte bald zurück mit den