mit dem zu leben was man auf dieser Welt am liebsten hat Ich halte mich für außerordentlich glücklich mehr als es die Sprache ausdrücken kann weil ich ebenso sehr meines Gatten Leben bin wie er das meinige ist Kein Weib stand ja ihrem Ehegenossen näher als ich keine war je so ganz Blut von seinem Blute und Fleisch von seinem Fleisch Ich werde der Gesellschaft meines Eduard nicht müde er nicht der meinigen Ich glaube wir sprechen den ganzen lieben Tag hindurch denn mit einander zu sprechen ist nur ein belebteres und hörbares Denken All mein Vertrauen ist auf ihn gesetzt all sein Vertrauen ist mir geweiht unsere Charaktere passen zu einander und vollkommenste Uebereinstimmung ist das Resultat davon Rochester blieb die ersten beiden Jahre unserer Ehe blind vielleicht war es dieser Umstand der uns einander so nahe brachte und uns so unauflöslich verband denn ich war damals sein Augenlicht Im buchstäblichen Sinne des Wortes war ich wie er mich oft nannte der Apfel seines Auges Er sah die Natur er las die Bücher durch mich und nie wurde ich müde für ihn zu sehen und den Eindruck in Worte zu kleiden welchen die Landschaft vor uns die Felder und Bäume Stadt und Strom Wolke und Sonnenstrahlen Wind und Wetter auf mich machten und durch den Klang seinem Ohre zuzuführen was das Licht seinem Auge nicht mittheilen konnte Nie wurde ich müde ihm vorzulesen ihn zu führen wohin er zu gehen wünschte zu thun was er gethan wünschte Und so traurig es war daß er dieser Dienstleistungen bedurfte so machten sie mir doch eine außerordentliche Freude weil er sie ohne quälende Scham ohne drückende Demüthigung von mir verlangte Er liebte mich so wahr daß er kein Widerstreben kannte sich meiner Hilfe zu bedienen er fühlte ich liebe ihn so zärtlich daß er meine liebsten Wünsche erfüllte wenn er meinen Beistand annahm Eines Morgens nach Verlauf von zwei Jahren als ich einen Brief nach seinem Dictat schrieb kam er neigte sich über mich und sagte Johanna hast du nicht einen schimmernden Schmuck um den Hals Ich trug eine goldene Uhrkette und antwortete Ja Und hast du ein blaßblaues Kleid an So war es Er sagte mir es scheine ihm seit Kurzem als ob die Dunkelheit die sein Auge umwölke sich erhelle Jetzt sei er dessen gewiß Wir reisten nach London Er zog einen berühmten Augenarzt zu Rathe und das eine Auge erlangte wirklich seine Sehkraft wieder Er sieht noch jetzt nicht sehr deutlich er kann nicht viel lesen oder schreiben doch findet er seinen Weg ohne bei der Hand geführt zu werden der Himmel ist nicht mehr ein leerer Raum die Erde nicht mehr eine Einöde für ihn Als man ihm seinen Erstgeborenen in die Arme legte konnte er sehen daß der Knabe seine Augen geerbt wie sie einst gewesen groß glänzend und schwarz Bei dieser Gelegenheit erkannte er wieder mit vollem Herzen an daß Gott sein strenges Gericht durch Gnade gemildert habe Wir sind glücklich umsomehr da die welche wir