nicht rühren Keine Versöhnung war von ihm zu erlangen kein Lächeln kein freundliches Wort aber der Christ in ihm war noch immer geduldig und als ich ihn fragte ob er mir verzeihen wolle da antwortete er es sei nicht seine Gewohnheit die Erinnerung an eine Kränkung zu bewahren er habe mir nichts zu verzeihen da ich ihn nicht beleidigt hätte Und mit dieser Antwort verließ er mich Es wäre mir lieber gewesen er hätte mich zu Boden geschlagen Sechsunddreißigstes Capitel Saint John reiste am nächsten Tage nicht nach Cambridge ab wie er gesagt Er verschob seine Abreise noch um eine ganze Woche und während dieser Zeit mußte ich die schwere Strafe fühlen die ein guter aber strenger ein gewissenhafter aber unerbittlicher Mann einer Person auferlegen kann die ihn beleidigt hat Ohne eine Handlung offener Feindseligkeit ohne ein tadelndes Wort gelang es ihm mir fortwährend gegenwärtig zu halten daß ich seine Gunst vollständig verloren habe Nicht daß Saint John den Groll unchristlicher Rachsucht gezeigt hätte er hatte mir verziehen daß ich gesagt ich verachte ihn und seine Liebe aber er hatte diese Worte nicht vergessen und konnte sie auch nicht vergessen so lange wir Beide lebten Ich sah es seinem Blicke an wenn er auf mich gerichtet war daß diese Worte immer in der Luft zwischen mir und ihm geschrieben standen Ihr Echo klang aus jeder Antwort die er mir gab Er vermied es nicht mit mir zu sprechen er rief mich sogar wie gewöhnlich jeden Morgen an sein Pult aber ich fürchte er fand Vergnügen an seiner Geschicklichkeit äußerlich mit mir auf dem früheren Fuße zu verkehren und doch jede innere Theilnahme für meine Person zu verbannen Das war eine lange und raffinirte Folterqual für mich Ein langsames Feuer der Empörung ein immerwährend zitternder Kummer der mich quälte und beugte ward dadurch unterhalten Ich fühlte wie dieser gute Mann so rein wie die klarste Quelle mich wenn ich seine Frau wäre binnen Kurzem tödten würde ohne einen Blutstropfen aus meinen Adern zu vergießen und ohne den leisesten Hauch eines Verbrechens auf sein krystallreines Gewissen zu laden Besonders fühlte ich dies wenn ich ihn zu versöhnen suchte Keine Reue begegnete meiner Reue Die Entfremdung verursachte ihm kein Leiden kein Verlangen nach Aussöhnung und obgleich mehr als einmal meine Thränen anhaltend auf das Buch fielen über welches wir uns Beide neigten so brachten sie doch nicht mehr Wirkung hervor als wenn sein Herz von Stein oder Metall gewesen wäre Gegen seine Schwestern war er freundlicher als gewöhnlich Gerade als fürchte er daß bloße Kälte mich noch nicht hinlänglich überzeugen könnte wie vollständig ich in Ungnade gefallen sei wollte er durch sein Benehmen gegen seine Schwestern noch die Macht des Gegensatzes hinzufügen und ich bin gewiß daß er dies nicht aus Bosheit that sondern darin nur das Mittel sah seinen Zweck zu erreichen Als ich ihn am Abend vor seiner Abreise zur Zeit des Sonnenunterganges im Garten auf und abgehen sah und mich erinnerte wie dieser Mann der mir so entfremdet war mir