wildes Weh meine heißen Bitten ist dir denn Alles nichts Welche unbeschreibliche Würde lag in seiner Stimme Wie schwer war es mit Festigkeit zu wiederholen Ich gehe Johanna Herr Rochester So gehe denn ich gebe dich frei aber bedenke daß du mich hier der Qual überlässest Geh auf dein Zimmer und überdenke Alles was ich gesagt und Johanna vergegenwärtige dir mein Leben denke an mich Er wendete sich ab und warf sich mit dem Gesichte auf das Sofa O Johanna meine Hoffnung meine Liebe mein Leben entfuhr es qualvoll seinen Lippen Dann kam ein tiefes heftiges Schluchzen Ich hatte bereits die Thür erreicht aber-ich kehrte zurück kehrte ebenso entschlossen zurück als ich mich entfernt hatte Ich kniete neben ihm nieder und wendete sein Gesicht von dem Kissen zu mir ich küßte seine Wange ich glättete sein wirres Haar mit meiner Hand Gott segne Sie mein lieber Herr sagte ich Gott schütze Sie vor Leid und Unrecht Er lenke und tröste Sie und belohne Sie reichlich für Ihre frühere Güte gegen mich Der kleinen Johanna Liebe wäre meine beste Belohnung gewesen antwortete er ohne sie ist mein Herz gebrochen Aber Johanna wird mir ihre Liebe noch schenken ja sie wird edel und großmüthig sein Das Blut stieg in sein Gesicht Feuer flammte aus seinen Augen er sprang auf und breitete seine Arme aus Aber ich entschlüpfte der Umarmung und floh aus dem Zimmer Lebe wohl war der Aufschrei meines Herzens als ich ihn verließ Die Verzweiflung fügte hinzu Lebe wohl auf ewig Achtundzwanzigstes Capitel In jener Nacht glaubte ich nicht schlafen zu können dennoch bemächtigte sich meiner der Schlummer sobald ich mich zu Bette legte und führte mich wieder zu den Scenen meiner Kindheit zurück Ich träumte ich läge in dunkler Nacht in dem rothen Zimmer in Gateshead Mein Geist war von seltsamer Furcht befangen Jenes geisterhafte Licht welches mich vor langer Zeit vor Schrecken in Ohnmacht versetzt hatte erschien mir im Traume wieder ich glaubte es langsam an der Wand aufsteigen und bebend im Mittelpunkte der dunkeln Decke verweilen zu sehen Ich erhob den Kopf um die Erscheinung deutlicher zu beobachten Die Decke glich hohen und düsteren Wolken der Schimmer glich dem des Mondes wenn er durch Wolken bricht Ich wartete daß er gänzlich hervortreten sollte wartete mit banger Ahnung als müßte ein Urtheilsspruch auf seiner Scheibe geschrieben stehen Und jetzt streckte sich eine Hand aus den schwarzen Massen und winkte den Wolken sich zu entfernen dann erschien statt des Mondes eine weiße menschliche Gestalt in dem Azurblau und neigte die von Strahlen umgebene Stirne zur Erde herab mich unverwandt anblickend Sie sprach zu meinem Geiste und unermeßlich fern war der Ton und doch flüsterte er so nahe in mein Herz Meine Tochter fliehe die Versuchung Mutter ich will es So antwortete ich als ich aus dem Traume erwacht war Es war noch Nacht aber die Julinächte sind kurz bald nach Mitternacht kommt schon die Dämmerung Es kann nicht zu früh sein meinen Vorsatz auszuführen dachte ich und stand auf