plötzlich Winter geworden Rauhfrost lag auf den reifen Früchten Schneelagen drückten die blühenden Rosen nieder auf Heu und Kornfeldern lag ein erstarrendes Leichentuch Wege die am letzten Abend noch von blühenden Gesträuchen und Blumen umgeben gewesen waren jetzt vom Schnee verweht und die Wälder die noch vor zwölf Stunden in heiterem Grün prangten standen öde und entlaubt Alle meine Hoffnungen waren erstorben von einem tödtlichen Schlage getroffen gleich dem der in der Nacht die ganze Erstgeburt im Lande Aegypten tödtete Ich sah auf meine theuersten Wünsche die gestern noch so glühend waren sie lagen da wie starre Leichen die nie wieder aufleben konnten Ich dachte an meine Liebe jenes Gefühl welches meinem Herrn gehörte welches er geschaffen hatte sie bebte in meinem Herzen sie konnte Herrn Rochester’s Arme nicht mehr suchen sie konnte keine Lebenswärme mehr an seiner Brust finden O nie konnte sie sich mehr zu ihm wenden denn der Glaube war vernichtet das Vertrauen zerstört Herr Rochester war nicht mehr für mich was er gewesen denn er war nicht wofür ich ihn gehalten Ich wollte ihn keiner Schlechtigkeit beschuldigen ich wollte nicht sagen er habe mich betrogen aber mit dem Gedanken an ihn verband ich nicht mehr das Attribut fleckenloser Wahrheit und aus seiner Nähe mußte ich gehen das sah ich wohl ein Wann wie wohin konnte ich noch nicht bestimmen doch ich zweifelte nicht er selber werde mich aus Thornfield weisen Wahre Liebe so schien es mir konnte er nicht für mich empfinden es war nur eine kurze auflodernde Leidenschaft gewesen dieser war ein Hindernis in den Weg getreten und er bedurfte meiner nicht mehr Jetzt mußte ich mich fürchten ihm zu begegnen mein Anblick mußte ihm verhaßt sein O wie blind war ich gewesen wie schwach hatte ich gehandelt Meine Augen waren bedeckt und geschlossen wirbelnde Finsternis schien mich zu umgeben wie eine schwarze stürmische Flut stürzten die Gedanken über mich her Von mir selber verlassen macht und kraftlos schien es mir als läge ich in dem ausgetrockneten Bette eines großen Flusses ich hörte eine Flut daherrauschen durch die fernen Gebirge und fühlte wie der Strom herankam aufzustehen hatte ich nicht den Willen zu fliehen nicht die Kraft Ohnmächtig lag ich da und wünschte nur zu sterben Nur noch ein Gedanke regte sich in mir die Erinnerung an Gott Ich wollte beten Bleibe bei mir o mein Gott denn die Prüfung ist nahe und kein Helfer da Aber die Worte verwirrten sich in meinem Geiste und da ich keine Bitte zum Himmel erhob die Prüfung abzuwenden da ich weder meine Hände faltete meine Knie beugte noch meine Lippen bewegte so kam die Prüfung und in vollem rauschendem Strome ergoß sich die wilde Flut über mich Das ganze Bewußtsein meines verfehlten Lebens meiner verlorenen Liebe meiner erloschenen Hoffnung meines vernichteten Glaubens strömte schonungslos über mich dahin Jene bittere Stunde ist nicht zu beschreiben Ich hatte allen Halt in der äußeren und inneren Welt verloren und war der Verzweiflung nahe Siebenundzwanzigstes Capitel Gegen Abend erhob ich meinen Kopf