gab ihnen eine gute Form die Augenwimpern zeichnete ich lang und dunkel die Iris glänzend und groß Gut aber noch ist nicht Alles gethan dachte ich als ich mein Werk überschaute es muß noch mehr Kraft und Geist hineingelegt werden Ich machte die Schatten kräftiger damit die Lichter glänzender erscheinen möchten einige glückliche Striche sicherten diesen Erfolg Da hatte ich das Gesicht eines Freundes vor mir Ich sah es an lächelte über die sprechende Aehnlichkeit versank in Gedanken und war zufrieden Ist dies das Porträt einer Person die Sie kennen fragte Elise die sich unbemerkt genähert hatte Ich entgegnete es sei nur ein Phantasiekopf und wollte ihn mit den anderen Blättern zudecken Natürlich sagte ich die Unwahrheit denn es war in der That ein sehr getreues Porträt des Herrn Rochester Aber was lag ihr daran oder irgend sonst Jemanden außer mir Georgine näherte sich ebenfalls um das Bild anzusehen Die anderen Zeicnungen gefielen ihr sehr aber dies sei ein häßlicher Mann sagte sie Beide schienen überrascht von meiner Geschicklichkeit Ich erbot mich sie zu porträtiren und Jede saß mir zu einer Bleistiftzeichnung Dann brachte Georgine ihr Stammbuch zum Vorschein Ich versprach ihr ein Bild in Wasserfarben hineinzumalen wodurch sie sogleich in gute Laune versetzt wurde Sie machte mir den Vorschlag zu einem Spaziergange in der Allee anlage und ehe wir noch zwei Stunden draußen gewesen hatte sie mich schon mit ihrem Vertrauen beehrt und mir den glänzenden Winter beschrieben den sie vor zwei Jahren in London zugebracht Sie sprach von der Bewunderung die sie dort erregt hatte von der Aufmerksamkeit die ihr zu Theil geworden war und es fielen sogar Anspielungen welche vornehme Eroberungen sie gemacht habe Im Verlaufe des Nachmittags und Abends wurden diese Andeutungen noch erweitert verschiedene zarte Unterhaltungen wiedergegeben und sentimantale Scenen beschrieben Was sie mir an diesem Tage aus dem fashionablen Leben erzählte hätte einen ganzen Band Novellen gegeben Täglich fügte sie Neues hinzu was sich aber stets auf dasselbe Thema beschränkte ihre Liebe und ihr Leid Es war seltsam daß sie nie von der Krankheit ihrer Mutter von dem Tode ihres Bruders oder den traurigen Aussichten der Familie sprach Ihr Geist schien sich nur mit Erinnerungen an vergangene heitere Stunden und mit dem Wunsche nach künftigen Zerstreuungen zu be schäftigen Sie verbrachte jeden Tag etwa fünf Minuten und nicht länger im Krankenzimmer ihrer Mutter zu Elise sprach noch immer wenig sie hatte offenbar keine Zeit dazu Ich sah nie eine geschäftigere Person als sie zu sein schien doch war es schwer zu sagen was sie that oder vielmehr irgend einen Erfolg ihres Fleißes zu entdecken Dreimal täglich versenkte sie sich in ein kleines Buch welches wie ich später fand das allgemeine Gebetbuch war Ich fragte sie einst was in diesem Buche das Anziehendste für sie sei und sie antwortete das Register Drei Stunden stickte sie mit Goldfaden auf den Rand eines viereckigen kar moisinrothen Tuches fast groß genug zu einem Teppich Als ich nach der Bestimmung dieses Gegenstandes fragte erklärte sie mir es sei eine