war als die Damen eintraten von ihrem Schemel aufgestanden und hatte sie unter graziösen Verneigungen auf Französisch begrüßt Miß Ingram blickte mit ihrer spöttischen Miene auf sie nieder und rief O welch eine kleine Puppe L ady Lynn bemerkte Es ist vermuthlich Herrn Rochester 's Mündel das kleine französische Mädchen von dem er ge sprochen Mistreß Dent reichte Adelen freundlich die Hand und küßte sie Amy und Louise Eshton riefen zugleich Welch ein Engel von einem Kind Und dann führten sie Adele zu einem Sopha wo sie jetzt zwischen beiden saß und abwechselnd Französisch und gebrochen Englisch plapperte und nach Herzens lust geliebkost wurde Endlich brachte man den Kaffee und rief die Herren herein Ich sitze im Schatten wenn in diesem glänzend erleuchteten Zimmer von Schatten gesprochen werden kann und der Fenstervorhang verbirgt mich halb Wieder thut sich die Portiere auseinander und mit feierlichem Anstand wie vorher die Damen treten die Herren ein sämmtlich schwarz gekleidet die meisten von ihnen sind groß und einige jung Heinrich und Friedrich Lynn sind sehr feine junge Männer und Oberst Dent ein schöner kriegerisch aussehender Herr Herr Eshton das Parlaments mitglied für die Grafschaft hat ein vornehmes Wesen sein Haar ist ganz weiß seine Augenbrauen und sein Bart dagegen sind noch schwarz Lord Ingram ist gleich seinen Schwestern sehr groß und schön theilt aber das zerstreute und theilnahmslose Wesen seiner Schwester Maria er scheint mehr Länge der Glieder als Lebhaftigkeit des Blutes oder Stärke des Gehirnes zu haben Und wo ist Herr Rochester Er kommt zuletzt Obwohl ich nicht nach dem Thürbogen blicke sondern meine Aufmerksamkeit auf die Maschen der Börse richte die ich stricke so erblicke ich doch deutlich seine Gestalt und unwillkürlich erinnere ich mich des Augenblickes da ich ihn zuletzt gesehen und er kaum einer Todesgefahr entronnen meine Hand gehalten und mich mit Augen angeblickt hatte die ein zum Ueberfließen volles Herz bekundeten an dessen Regungen ich Antheil hatte Wie nahe hatte ich ihm in jenem Augenblick gestanden Was war seitdem geschehen um unsere gegenseitige Stellung zu verändern Wie fremd waren wir einander geworden So entfremdet daß ich mich nicht wunderte als er ohne mich anzusehen sich auf der anderen Seite des Zimmers niedersetzte und mit einigen von den Damen sprach Als ich ihn unbemerkt betrachten konnte und meine Augen sich unwillkürlich auf sein Gesicht rich teten empfand ich die Wonne und zugleich die Qual eines vor Durst Verschmachtenden welcher auf die Quelle zustürzt und gierig den Trunk einschlürft ob gleich er weiß daß das Wasser vergiftet ist Wie wahr ist es daß die Schönheit in dem Auge des Beschauers liegt Nichts als Energie Entschiedenheit und fester Wille lag in der Erscheinung dieses Mannes und der äußere Ausdruck dieser Eigenschaften in den Gesichtszügen ist der Regel nach nicht schön aber für mich waren diese Züge mehr als schön sie übten eine Macht auf mich von der ich mich völlig beherrscht fühlte Ich hatte nicht beabsichtigt ihn zu lieben ich hatte mich lebhaft angestrengt in meiner Seele die Keime der Liebe anszurotten