ich wieder mit Ruhe an die Geschichte die mir Herr Rochester erzählt hatte Wahrscheinlich lag nichts Außerordentliches darin Die Leidenschaft eines reichen Engländers für eine französische Tänzerin und ihre Verrätherei an ihm waren ohne Zweifel ganz alltägliche Dinge in der Gesell schaft Aber es lag etwas höchst Auffallendes in dem Paroxismus der sich seiner so plötzlich bemächtigt hatte als er im Begriff gewesen seine gegenwärtige zufriedene Stimmung und seine neu belebte Freude an der alten Halle und den Umgebungen derselben auszudrücken Ich dachte mit Verwunderung über diesen Vorgang Da ich ihn aber unerklärlich fand ließ ich diesen Gegenstand fallen und beschäftigte mich mit seinem Benehmen gegen mich des Herrn gegen die Gouvernante Das Vertrauen welches er in mich zu setzen für gut gehalten schien ein Tribut den er meiner Besonnenheit darbrachte so sah ich es an und nahm es so auf Sein Benehmen war seit einigen Wochen gleichförmiger gegen mich als anfangs Ich schien ihm nie im Wege zu sein er zeigte keine An fälle von verletzendem Stolz wenn er mich unerwartet traf schien ihm die Begegnung willkommen zu sein er hatte immer ein gutes Wort und zuweilen ein Lächeln für mich Wenn ich durch eine förmliche Einladung zu ihm gerufen wurde empfing er mich herzlich was ich als einen Beweis betrachtete daß ich wirklich die Macht besäße ihn zu unterhalten und daß er diese Abendunterredungen ebenso sehr zu seinem eigenen Vergnügen als zu meinem Nutzen veranstalte Ich sprach freilich verhältnismäßig wenig doch hörte ich ihm mit Vergnügen zu Es lag in seiner Natur mittheilsam zu sein er liebte es einem mit der Welt Unbekannten Bilder und Scenen aus der selben vorzuführen die durch ihre eigenartige Neuheit fesselten niemals sittenverderbend waren und ich fand ein lebhaftes Interesse daran ihm in Gedanken durch die neuen Regionen zu folgen die er mir eröffnete wurde auch nie durch eine unschickliche Anspielung verletzt oder beunruhigt Die Leichtigkeit und Gewandtheit in seinem Be nehmen befreite mich von unleidlichem Zwange die freundliche Offenheit womit er mir entgegenkam zog mich zu ihm hin Es war mir zuweilen als sei er mein Verwandter und nicht mein Herr dennoch war er zu Zeiten gebieterisch aber ich nahm es mir nicht zu Herzen denn es war so seine Art Dieses neue Interesse um welches ich mein Leben bereichert sah machte mich so glücklich und zufrieden daß ich aufhörte mich nach Gefährten meines Geschlechtes zu sehnen meine Bestimmung schien sich zu erweitern die Leere meines Daseins wurde ausgefüllt meine Gesundheit verbesserte sich ich nahm zu an Fleisch und Stärke Und war Herr Rochester jetzt häßlich in meinen Augen Nein Leser Dankbarkeit und andere edle sympathische Regungen machten mir sein Gesicht zu dem Gegenstande der mir am besten gefiel seine Gegenwart im Zimmer war erheiternder als das hellste Feuer Doch ich hatte seine Fehler nicht ver gessen und konnte es auch in der That nicht denn er rief sie mir beständig in die Erinnerung Er war stolz sarkastisch und rauh gegen Niedrigkeit jeder Art und in meinen geheimsten Gedanken hielt ich mich