Ihnen Armes gequältes Weib Es war zu spät für sie ihre Gesinnung ändern zu wollen im Leben hatte sie mich ge haßt noch im Tode mußte sie mich hassen Die Wärterin trat nun ein und Bessie folgte ihr Noch eine halbe Stunde wartete ich in der Hoffnung einen freundlichen Blick zu erhalten doch umsonst Sie war in ihre gew-öhnliche Bewußtlosigkeit verfallen aus der sie auch nicht mehr erwachte denn sie verschied noch in derselben Nacht um zwölf Uhr Die Dienstleute meldeten es uns am nächsten Morgen Sie lag um diese Zeit bereits am Paradebette Elise und ich gingen sie anzusehen Georgine die in lautes Schluchzen ausgebrochen war erklärte sie önnte unmöglich mit gehen Da lag nun Sarah Reed's sonst so rüstiger thätiger Körper still und steif die kalten Lider deckten die stieren Augen die Stirne und die schroffen Züge trugen noch dus Gepräge ihrer unerbittli chen Seele Der Anblick des Leichnams machte in mir son derbare feierliche Gefühle rege Ich betrachtete ihn mit starrem Trübsinn doch flößte er mir keine sanfte Regung des Mitleids der Hoffnung oder der Demuth ein Nur eine peinliche Angft um ihr Seelenheil nicht der Schmerz um meinen Verlust durchzuckte mich und eine düstere thränen lose Scheu vor den Schrecken des Todes in dieser Gestalt gewann schließlich in meinem Herzen die Oberhanr Elise sah ihre Mutter ruhig an Nach einigen Minu ten bemerkte sie aBei ihrer kräftigen Leibesbeschaffenheit hätte sie sehr alt werden können doch Gram und Harm haben sie getödtet Ein Krampf schloß ihr für eine Weile den Munr als er nachgelassen wandte sie sich um und verließ die Stube ich folgte ihr Keine von uns hatte auch nur Eine Thräne s vergossen Zweiundzwanzigstes Capitel Mr Rochester hatte mir blos einen einwöchentlichen Urlaub ertheilt allein es verfloß ein Monat bevor ich von Gateshead fortkam Ich wollte nach Mrs Reed 's Beerdigung sofort abreisen aber Ge orgine bat mich so lange zu bleiben bis sie nach London ginge n ohin sie endlich ihr kel Mr Gibson einlud der in den letzten Tagen angelangt war um der Beerdigung seiner Schwester beizuwohnen und die Familienangelegenheiten in Ordnung zu bringen Georgine behauptete sie fürchte sich mit Elisen allein zu bleiben von der sie weder Mitgefühl mit ihrem Schmerze noch Trost in ihren Aengsten noch eine Hilfe leistung bei ihren Vorbereitungen zur Reise erwarten konnte ich half ihr also ihr albernes Weinen und ihre selbstsüchtigen Weheklagen anhörend beim Wäschenähen und Einpa cken so gut ich konnte Wahr ist es daß sie während ich arbeitete ganz müßig ging und ich dachte bei mir selbst Wenn wir mit einander leben müßten Cousine würde ich mir die Sache schon anders einrichten Ich würde mich dann nicht länger bequemen der leidende Theil zu seyn ich würde auch Dir einen Antheil an der Arbeit zuweisen den Du vollenden müßtest widrigenfalls die ganze Arbeit liegen bliebe ich würde ferner darauf dringen daß Du dein erzwungenes widriges Gejammer für Dich behieltest Nur deshalb weil unser zufälliges Beisammenseyn von so kurzer Dauer ist und unter so eigenthümlich traurigen