es war bereits fin ster Da stand noch die große Bettstatt mit den bunten Vor hängen der Ankleidetisch der Armstuhl und der Fuß schämel auf dem ich hatte so oft niederknien und um Ver zeihung bitten müssen wegen Fehltritten die ich meistens gar nicht begangen Ich blickte in einen gewissen Winkel halb erwartend die schlanke Gestalt der von mir einst so gee fürchteten Ruthe zu sehen die dort zu lauern und auf mich loszuspringen pflegte um meine zitternde Hand oder meinen gebeugten Rücken zu bestreichen Ich schob vie Vor hänge bei Seite und bog mich über die hoch aufgethürm ten Kissen Wohl hatte ich noch Mrs Reed 's Antlitz im Gerächt niß und eifrig spähte ich nach den wohlbekannten Zügen Es ist ein wahres Glück daß die eit den Durst nach Rache stillt und Jorn und Abneigung erstickt Haß und Bitterkeit im Herzen hatte ich dieses Weib verlassen und nun kam ich mit keinem andern Gefühle zurück als einer Art Mit leid für die harten Schicksalsschläge die sie betroffen und mit oem ernsten Willen zu vergessen und zu vergeben f und zur Versöhnung freundlich die Hand zu bieten Ja da war es das wohlbekannte Gesicht starr und gefühllos wie immer da war das merkwürdige Auge dem I nichts einen Schimmer von Sanftmuth zu entlocken ver mochte mit den etwas in die Höhe gezogenen hochmüthi gen Augenbrauen Wie oft hatte es mich drohend und voll Haß angeblickt wie stiegen bei seiner Betrachtung Erinne rungen an die Leiden und Schmerzen meiner Kindheit in mir auf Und dennoch warf ich mich auf die Kranke nieder und küßte sie Sie sah mich an » Ist vies Jane Eyre frug sie aWohl Tante Ree Wie geht es Ihnen theure Tante Ich hatte ihr es einst zugeschworen daß ich sie nie wieder Tante nennen wollte ich hielt es für keine Sünde diesen Schwur zu brechen Meine Finger umspannten ihre Hand die außerhalb der Bettdecke lag hätte sie in diesem Augenblicke die meinige freundlich gedrückt ich hätte dar über eine aufrichtige Freude empfunden Doch harte Natu ren werden nicht so leicht weich und eingewurzelte Abneigun gen lassen sich nicht so schnell vertilgen Mrs Reed zog ihre Hand weg und wandte beinahe ihr Gesicht von mir indem sie die Bemerkung machte die Nacht sey sehr warm Wie der blickte sie mich an doch so eiskalt war ihr Blick daß ich begriff ihre Meinung von mir sey unverändert und wohl auch nicht zu ändern Ihr wahrhaft steinernes Auge durch welches keine Zärtlichkeit hindurch schimmern das nicht in Thränen zerfließen konnte sagte mir deutlich wie fest sie entschlossen sey mich bis zum letzten Augenblicke für schlecht zu halten denn der Glaube an meinen sittlichen Werth konnte sie weit entfernt ihr irgend eine Befriedigung zu gewähren nur mit bitterem Verdruß erfüllen Erst überkam mich Schmerz dann Jorn und endlich beschloß ich sie zu bänrigen sie trotz ihrer Natur unr ihres Starrsinnes zu beherrschen Wie in meinen Kinder jahren waren mir Thränen in die Augen gekommen ich hieß sie zu ihrer Quelle