aber gar nichts was dem Manne ein so sonderbares Aussehen verlieh wie ich es noch nie gesehen hatte Ungeachtet seines hübschen und wohl auch anmuthigen Aeußern hatte er für mich etwas sonderbar Abstoßendes seinem glatten ovalen Gesichte fehlte der Ausdruck der Kraft seiner Adlernase Kühnheit seinem kirschrothen Munde männlicher Ernst seine niedere ebene Stirne war gedankenlos sein stieres braunes Auge ohne Feuer Von meiner Nische aus betrachtete ich ihn wie die Armleuchter des Gamins an dem er fast vor Kälte zitternd in einem Armstuhl saß ihn mit ihrem vollen Lichte übergossen und verglich ihn in Gedanken mit Mr Rochester Der Contrast konnte — mit aller Achtung sey es gesagt — zwischen einem albernen Gänserich und einem kühnen Falken zwischen einem furchtsamen Schafe und seinem Hüter dem rauhhaarigen scharfäugigen Hunde kaum größer seyn Er hatte von Mr Rochester als von einem alten Freunde gesprochen Ihre Freundschaft muß eine wunderliche gewesen seyn eine treffliche Illustration des alten Sprichwortes ‘die Extreme berühren sich.’ Zwei oder drei Herren saßen neben ihm und zuweilen gelangten Bruchstücke ihrer Unterredung an mein Ohr Anfangs konnte ich nicht viel Sinn hinein bringen denn ein Gespräch zwischen Louise Eshton und Mary Ingram die mir näher saßen trat störend dazwischen Die beiden Märchen sprachen über den Fremden beide nannten ihn “einen schönen Mann.” Louise sagte ‘er wäre ein liebenswürdiges Geschöpf und sie ‘bete ihn an’ und Mary war entzückt ‘über seinen hübschen kleinen Mund und die schöne Nase ’ die ihrer Ansicht nach das Ideal aller Schönheit darstellten ‘Und was für eine schöne Stirne er hat ’ rief Louise aus ‘Keine jener finstern Unregelmäßigkeiten die ich so sehr hasse Sehen Sie nur das sanfte Auge und freundliche Lächeln ’ Zu meinem größten Vergnügen wurden die beiden Damen von Mr Henry Lynn an andere Ende des Zimmers berufen um einer Berathung über den verschobenen Ausflug ins Zigeunerlager beizuwohnen Nun konnte ich der Gruppe am Feuer ungestört zuhören und erfuhr sofort daß der neue Gast Mr Mason heiße und eben erst aus einem sehr warmen Lande angekommen sey Wahrscheinlich war vies Letztere die Ursache daß er so blaß aussah sich so nahe am Feuer hielt und selbst da noch seinen Winterrock nicht ablegte Die Worte Jamaica Kingston Spanish Town zeigten an daß er in Westindien ansäßig sey und mit nicht geringem Erstaunen vernahm ich daß er dort Mr Rochester 's Bekanntschaft gemacht hatte Er erwähnte seines Freundes Abneigung gegen die dortige brennende Hitze gegen die Orkane und Winterregen jener Gegend Mrs Fairfax hatte mir wohl von Mr Rochester's Reisen erzählt doch dachte ich immer dieselben wären blos auf Europa beschränkt gewesen und er selbst hatte nie eine Anspielung auf seinen Aufenthalt in anderen Welttheilen gemacht Ich überlegte mir das eben Gehörte als plötzlich ein etwas unerwarteter Zwischenfall den Lauf meiner Gedanken unterbrach Mr Mason der vor Kälte zitterte sobald nur vie Thüre aufging bat noch mehr Kohlen auf 's Feuer zu legen das wohl ausgebrannt war dessen Glut jedoch noch Hitze genug verbreitete Der Diener welcher die Kohlen brachte blieb an Mrs