die Augenlider nicht mehr in meiner Gewalt sie gingen in die Höhe und die Sterne ließen sich von ihrer Richtung nicht abbringen Ich schaute und fühlte ein eigenes bittersüßes Vergnügen ein Vergnügen rein wie Gold mit einer stählernen das Herz verletzenden Spitze ein Vergnügen wie etwa das eines vor Durst Verschmachtenden der weiß daß die Quelle zu der er sich mühsam geschleppt vergiftet ist aber dennoch die Hand eintaucht und einen Göttertrank zu schlürfen scheint Es ist sehr wahr daß die Schönheit im Auge des Beschauers liegt Meines Gebieters blasses olivenfarbiges Gesicht seine maßlose viereckige Stirne seine buschigen schwarzen Augenbrauen die tiefliegenden Augen und groben Gesichtszüge sein harter verzogener Mund lauter Zeichen von Energie Entschiedenheit festem Willen bildeten zusammengenommen keine regelmäßige Schönheit für mich jedoch waren diese Züge mehr als schön voll Interesse voll eines Einflusses der mich beherrschte die Gefühle meiner eigenen Gewalt entriß und der seinigen unterordnete Ich hatte es nicht beabsichtigt ihn zu lieben er Leser weiß es welche Mühe ich mir gegeben selbst die zartesten Keime einer Zuneigung aus meinem Herzen zu reißen und nun da ich ihn zum ersten Mal wieder sah schossen sie grün und kräftig empor Er machte daß ich ihn wieder liebte ohne daß er mich ansah Ich verglich ihn mit seinen Gästen Was hatte die galante Grazie der beiden Lynn die schmachtende Eleganz Lord Ingram 's sogar der militärische Anstand Obrist Dent 's zu bedeuten wenn mit seinem Ausdrucke angeborner Tüchtigkeit und urwüchsiger Kraft zusammengestellt Ich fühlte mich zu Jenen in keiner Beziehung hingezogen und doch konnte ich mir denken daß sie die Mehrzahl der Beschauer für anziehende schöne imposante junge Männer halten mußte während Mr Rochester in ihren Augen als ein grobgeformter melancholisch aussehender Gnome erschien Ich sah die Anderen lächeln lachen wie bedeutungsvoll Das Kerzenlicht hatte eben so viel Geist in sich als ihr Lächeln das Läuten der Glocke eben so viel Bedeutung als ihr Lachen Ich sah Mr Rochester lächeln seine schroffen Züge wurden anmuthig seine Augen glänzend und sanft ihr Blick forschend und gutmüthig zu gleicher Zeit Er sprach eben mit Louise und Amy Eshton Ich wunderte mich wie sie den mir so durchdringend scheinenden Blick ruhig aushalten konnten ich erwartete sie würden die Augen senken erröthen doch war ich froh als weder das Eine noch das Andere geschah Er ist ihnen nicht das was er mir ist dachte ich ser ist nicht von ihrer Gattung Er ist von der meinigen gewiß ist er 's denn ich fühle die geistige Verwandtschaft zwischen uns ich verstehe die Sprache seiner Gesichtezüge seiner Bewegungen wiewohl uns Rang und Vermögen strenge von einander scheiden liegt ein Etwas in meinem Geiste und Herzen in meinem Blute und meinen Nerven das mich ihm in geistiger Beziehung näher bringt Sagte ich nicht vor einigen Tagen ich hätte sonst nichts mit ihm zu schaffen als meinen Gehalt von ihm zu empfangen Verbot ich mir nicht selbst anders an ihn zu denken als an meinen Zahlmeister Welche Sünde gegen die Natur Jedes kräftige gute wahre Gefühl