ich wohl einen glänzenderen Anblick die Damen waren prachtvoll gekleidet die meisten wenigstens die jüngeren waren schön allein Miß Ingram war doch sicherlich die Krone von Allen Und wie sah sie aus Schlank eine schöne Büste runde Achseln ein langer graziöser Hals die Hautfarbe dunkel aber rein und durchsichtig edle Gesichtszüge Augen wie Mr Rochester 's seine groß und schwarz ihre Juwelen an Glanz überstrahlend Und dazu die schönen rabenschwarzen Haare geschmackvoll geordnet hinten einer Krone von dichten Flechten vorne die schönsten glänzendsten Locken die ich je zu sehen bekam Sie war ganz weiß angezogen eine bernsteinfarbene Schärpe deckte ihre Schultern ging über die Brust herab und fiel an der Seite geknüpft in langen mit Fransen besetzten Enden über die Kniee Eine einzelne Blume von gleicher Farbe steckte in ihrem Haare sie bildete einen geschmackvollen Contrast mit den dichten ebenholzschwarzen Locken Natürlich wurde sie sehr bewundert Gewiß und nicht allein ihrer Schönheit sondern auch ihrer Talente wegen Sie war eine der Damen welche sangen ein Herr begleitete sie auf dem Piano Zuletzt trug sie mit Mr Rochester ein Duett vor Mit Mr Rochester Ich wußte ja gar nicht daß er auch singen kann Ei er hat eine sehr schöne Baßstimme und sehr viel Sinn für Musik Und was hat Miß Ingram für eine Stimme Eine sehr volle und klangreiche sie sang köstlich es war ein Vergnügen sie zu hören später spielte sie auch Pianoforte Ich bin keine Kennerin allein Mr Rochester verseht sich darauf und er sagte sie habe das Instrument vollkommen in ihrer Macht Ist diese schöne mit allen Vollkommenheiten ausgerüstete Dame noch ledig So glaube ich wenigstens So viel ich weiß sind die beiden Schwestern keineswegs reich Die Güter des alten Lord Ingram sind meistens Majorate und gelangten daher fast alle an den ältesten Sohn Es wundert mich aber daß sich noch kein reicher Edelmann um sie beworben hat wie z B Mr Rochester Er ist doch reich nicht wahr Ja freilich Allein sehen Sie der Unterschied in Alter ist zu groß Mr Rochester zählt nahe an vierzig sie erst fünfundzwanzig Jahre Was hat das zu sagen Tagtäglich werden noch viele ungleichere Ehen geschlossen Wohl wahr doch glaube ich kaum daß Mr Rochester an eine solche Verbindung denkt Aber Sie genießen ja gar nichts Sie haben ja kaum einen Bissen gegessen Ich bin zu durstig um essen zu können Wollen Sie mir eine Tasse Thee einschenken Ich wollte auf die Wahrscheinlichkeit einer Partie zwischen der schönen Blanche und Mr Rochester wieder zurückkommen allein Adela trat in die Stube und das Gespräch nahm eine andere Wendung Als ich endlich spät Abends allein war musterte ich die erhaltenen Aufklärungen durch blickte in mein Herz prüfte meine Gedanken und Gefühle und bemühte mich sie die im unbegrenzten Gebiete der Einbildungskraft herum schweiften den rechtmäßigen Herrschaft der gesunden Vernunft wieder zuzuführen Vor meinen Richterstuhl geladen gab die Erinnerung Beugniß von den Hoffnungen Wünschen Gefühlen die ich seit der vergangenen Nacht im Busen hegte von dem Bustande meines Innern im Allgemeinen wie er