werden wenn er allein ist denk an seine Zügellosigkeit an seine Leidenschaft an den wilden Grimm der auf die Verzweiflung folgen muß Rette ihn Bleibe bei ihm Du hast ja auf der weiten Welt auch niemand der dich liebt außer ihn Und du schädigst niemand durch deine Tat Aber eine andere Stimme sprach dagegen Du liebst aber auch dich selbst Du darfst dir die Selbstachtung nicht verscherzen Du mußt das Gesetz halten das nun einmal unter den Menschen gültig ist Du mußt die Grundsätze befolgen die du dir vorsetzest als du noch bei vollen Sinnen warst Wenn du sie in diesem Augenblick gering achten möchtest so kommt es nur daher weil du jetzt nicht bei Vernunft bist Vorgefaßte Meinungen frühere Entschließungen sind alles was dich in dieser Stunde retten kann Daran also halte fest Und ich tat es Herr Rochester las in meinen Zügen was geschehen war und wie meine letzte Entschließung ausfiel Seine Leidenschaft erreichte nun ihren Höhepunkt und er mußte ihr auf einen Augenblick die Zügel schießen lassen Er umschlang mich mit beiden Armen Körperlich fühlte ich mich in diesem Moment so schwach wie trockenes Stroh das der Glut des Hochofens nahe ist aber meine Seele hatte das Gefühl völliger Sicherheit und die Seele hat glücklicherweise im Auge einen untrüglichen Dolmetsch Ich sah Herrn Rochester an da ließ er mich los Niemals hat es ein Geschöpf gegeben murmelte er das zugleich so zart so schwach und unbeugsam so unbezwinglich gewesen In meiner Hand ist sie ein schwaches Rohr mit Daumen und Zeigefinger könnte ich sie zerbrechen Aber Mut Freiheit und fester Wille leuchten aus ihrem Auge O du wildes schönes Geschöpf Er tat mir nichts mehr er sah mich nur noch an aber war weit schwerer diesem Blicke zu widerstehen als der Gewalt seiner Fäuste Ich schritt auf die Tür zu So willst du nun gehen Johanna Du willst mich verlassen Ja Herr Gut geh Doch vergiß nie in welchen Qualen du mich zurückläßt O Johanna meine Hoffnung meine Liebe mein Leben Ein herzzerreißendes Schluchzen folgte Ich war schon an der Tür aber ich ging noch einmal zurück küßte ihm die Tränen von den Wangen und streichelte sein verworrenes Haar Gott segne Sie teurer Herr Rochester flüsterte ich und halte Sie zurück von Unrecht und Sünde Er führe Sie er gebe Ihnen Trost Und vor allem belohne er Sie für alle Güte die Sie mir erwiesen haben Die Liebe meiner kleinen Johanna wäre mir der beste Lohn dafür gewesen rief er Schenke sie mir Johanna brich mein Herz nicht Sei edel sei großmütig Er sprang auf und stand gerade vor mir Er breitete die Arme aus ich aber entzog mich seiner Umarmung und verließ das Zimmer Lebe wohl schrie es in meinem Herzen Auf immerdar setzte die Verzweiflung hinzu Am selben Abend packte ich meine wenigen Habseligkeiten Die Schmucksachen die Herr Rochester mir in den Tagen unsers Verlöbnisses geschenkt hatte ließ ich zurück Meine Börse die zwanzig Schillinge enthielt mein ganzes Besitztum steckte ich in die Tasche und