sechs Uhr vorüber als er die Meldung brachte die Wagen seien in Sicht Adele sprang ans Fenster und ich stellte mich behutsam hinter sie Von meinem Play aus konnte ich alles sehen ohne selbst sichtbar zu sein Vier Reiter sprengten den Parkweg daher zwei offene Wagen folgten ihnen Die vordersten zwei Reiter waren junge elegante Herren der dritte war ältlich und korpulent der vierte war Herr Rochester selbst Ihm zur Seite ritt eine Dame die einzige die zu Pferde war ihr dunkelrotes Reitkostüm wehte im Winde ein langer Schleier umschwebte sie wie eine Wolke Fröhliches Lachen erscholl gleich darauf in der Halle die tiefen Stimmen der Herren mischten sich in die hellen Laute der Damen Adele wollte durchaus hinunter und den Gästen guten Abend sagen nur mit Mühe konnte ich ihr begreiflich machen daß sie das ohne Erlaubnis des Herrn Rochester nicht tun dürfe Sie weinte natürlich da ich sie aber wegen ihrer Ungeduld ernsthaft zurechtwies beruhigte sie sich schließlich Ich erzählte ihr nun Geschichten und wir hörten in unserer Einsamkeit nichts weiter als das Zuschlagen von Türen das Klirren von Geschirr und hin und wieder undeutliche Stimmen Sehr spät am Abend erklang Musik aus dem Salon eine Dame sang mit weicher süßer Stimme und dann sang eine Männerstimme Ich legte die Hand auf mein Herz das unwillkürlich höher schlug denn ich erkannte Herrn Rochesters Stimme Adele lehnte den Kopf an meine Schulter und schlummerte ein Ich brachte sie zu Bett und blieb allein noch wach Es war fast ein Uhr als die Herren und Damen sich auf ihre Zimmer begaben Am folgenden Tage unternahmen die Herrschaften eine Spazierfahrt von den Damen saß wieder nur die eine es war Blanche Ingram zu Pferde und Herr Rochester ritt abermals an ihrer Seite Sie meinten Herr Rochester dächte nicht daran Fräulein Ingram zu heiraten sagte ich zu Frau Fairfax Er zieht sie doch sichtlich allen andern Damen vor Nun sie gefällt ihm eben antwortete die gute Alte Uebrigens können Sie sie heute abend auch einmal aus der Nähe betrachten Ich sagte dem gnädigen Herrn daß Adele den Damen vorgestellt zu werden wünschte und er läßt Ihnen sagen Sie möchten die Kleine heute in den Salon führen Das hat er wohl nur so aus Höflichkeit gesagt erwiderte ich Sicherlich brauche ich nicht mitzukommen Nein nein rief sie ich sagte nämlich Sie würden wohl nicht gern vor einer so großen Gesellschaft erscheinen aber er sagte ausdrücklich es sei sein besonderer Wunsch daß Sie Adele begleiten möchten und wenn Sie fernblieben würde er Sie einfach holen Wissen Sie wie Sie es machen müssen Während die Herrschaften noch bei Tische sind gehn Sie in den Salon und suchen sich einen stillen Winkel aus Dann vermeiden Sie das peinliche Eintreten wenn alles schon dort ist Wenn Herr Rochester nur gesehen hat daß Sie dort sind so wird er zufrieden sein und Ihnen keine weiteren Unannehmlichkeiten verursachen Später können Sie dann die erste Gelegenheit benützen hinauszuschlüpfen Diesen Rat befolgte ich Adele und ich saßen nun schon ein Weilchen