ein volles Jahr wegbleiben würde denn schon oft habe er Thornfield-Hall ohne jede vorherige Ankündigung ganz plötzlich und auf sehr lange Zeit verlassen Wider Willen hatte ich bei dieser Mitteilung das Gefühl als wenn mein Herz stillstände eine niederschmetternde Enttäuschung überkam mich Ich raffte mich jedoch auf und wiederholte mir daß ich nichts weiter mit dem Besitzer von Thornfield zu tun hätte als das Gehalt von ihm anzunehmen das er mir für die Erziehung seines Mündels bewilligte Ein weiteres Band zwischen uns gäbe es nicht wenigstens keins das er anerkennen würde Er ist nicht von deiner Art drum bleibe bei deinesgleichen und hege zuviel Achtung vor dir selbst um deine Liebe dorthin zu wenden wo sie nicht erwartet und wenn bemerkt verschmäht wird Vierzehn Tage waren verflossen da erhielt Frau Fairfax einen Brief von Herrn Rochester Sie las ihn beim Kaffee ich wartete voll Spannung und zwang mich mühsam zur Ruhe Die gute Dame las das Schreiben für sich faltete es sorgsam zusammen und steckte es in die Tasche Dann trank sie ihren Kaffee weiter Es war das erste Mal daß sie nicht mitteilsam gelaunt war und ich verging vor Ungeduld und Neugierde Indem ich mich mit Adele beschäftigte warf ich so oberflächlich wie möglich die Frage hin Will Herr Rochester denn nun so lange bleiben wie Sie vermuteten Nein in drei Tagen kommt er wieder also Donnerstag und zwar nicht allein Ich weiß nicht wie viele Gäste er mitbringt aber er schreibt die besten Fremdenzimmer sollten sofort in Ordnung gebracht werden Die Damen werden mit ihren Kammerzofen die Herren mit ihren Dienern herkommen und wir werden ein volles Haus haben Sie beendete rasch ihre Mahlzeit und eilte fort ihre Anordnungen zu treffen Nun begann eine eifrige Tätigkeit und wenn ich bisher stets geglaubt hatte in Thornfield-Hall seien alle Zimmer in bestem Stande so irrte ich mich denn sie wurden nun so gründlich gesäubert als wenn sie das ganze Jahr über nicht berührt worden wären Da wusch man Tapeten und Fußböden Fenster und Oefen da polierte man die Möbel die Spiegel die Kronleuchter da lüftete man Betten da klopfte man Teppiche und Polstersachen Das ganze Haus war im Aufruhr und wo man ging und stand begegnete man Scheuerfrauen oder lief gegen volle Wassereimer gegen Besen und Klopfer an In der Küche ging es bereits ebenso hoch her da wurden Kuchen und Kompotte bereitet da wurde Wildbret gespickt da wurden Schüsseln und Töpfe gefüllt Das Empfangsdiner war auf Donnerstag sechs Uhr bestellt Auch ich beteiligte mich an der Arbeit und fand daher wenig Zeit meinen Gedanken nachzuhängen Am Mittwoch abend war alles fertig die Gäste konnten einziehen Adele war nun nicht mehr zu halten alle Schularbeit alles Lernen ward vergessen sie lief den ganzen Donnerstag über treppauf und treppab guckte in alle Zimmer und eilte oft hinaus in den Park um nach den Wagen auszuschauen Es war ein schöner Märztag gewesen dem ein warmer Abend folgte Wir hatten den Kutscher vor das Tor hinausgeschickt um Ausschau zu halten Es war schon