allein mit Frau Fairfax Es ist wunderschönes Wetter heute sagte sie als sie das Fenster schloß Besser kann sich 's Herr Rochester für seine Reise nicht wünschen So ist er verreist rief ich in größerm Erstaunen als ich auszudrücken wünschte Das wußte ich nicht Ja schon frühmorgens ist er aufgebrochen Er besucht Herrn Eshton dessen Besitzung etwa zehn Meilen entfernt ist Es ist große Gesellschaft dort Da wird er wohl heute abend nicht nach Hause kommen Nein Voraussichtlich bleibt er eine volle Woche weg Wenn diese Herrschaften zusammenkommen vergnügen sie sich immer mehrere Tage lang Herr Rochester ist auch allgemein beliebt namentlich die Damen finden ihn interessant Sind dort jetzt auch Damen Ich denke doch wenigstens pflegen sie bei solchen Gesellschaften nie zu fehlen Frau Eshton selbst hat drei Töchter und dann wird Lady Ingram da sein die hat zwei Mary und Blanche die letztere ist eine berühmte Schönheit etwa vierundzwanzig Jahre alt groß mit vollem dunkelm Haar und strahlenden Augen wie eine Spanierin wissen Sie Und noch unverheiratet trotz ihrer Schönheit Mein Gott sie haben nicht viel Geld die Ingrams Es gibt doch aber viel Edelmänner die selbst Geld genug haben und keine reiche Frau zu nehmen brauchen Herr Rochester selbst zum Beispiel Er ist schon fast vierzig und sie erst vierundzwanzig wie ich eben sagte Das ist doch noch kein allzu großer Unterschied sagte ich die Augen niederschlagend Schon wahr aber ich glaube nicht daß Herr Rochester an Heiraten denkt Allein Sie essen ja gar nichts Seit Sie sich an den Teetisch gesetzt haben Sie noch nichts zu sich genommen Ich zwang mich zu essen und zu trinken und verabschiedete mich sobald es tunlich war Als ich allein war dachte ich nach über das was ich gehört hatte Ich bemühte mich ernstlich meine Phantasie die sich während der letzten Stunden ins Land närrischer Wünsche und Hoffnungen verirrt hatte mit fester Hand in die stille Bahn der Vernunft zurückzulenken Und endlich vermochte ich mir selbst die Ueberzeugung einzuflößen daß ich eine Törin sei wenn ich glaubte Herrn Rochester zu gefallen daß ich mit Schönheiten wie Blanche Ingram niemals wetteifern könne Was mir Herr Rochester in der verflossenen Nacht gesagt dachte ich bei mir das sei wohl nicht auf die Goldwage zu legen Er sprach in der Erregung des Augenblicks im Ueberschwang einer natürlichen Dankbarkeit Kein Weib tut gut daran schloß ich meine Betrachtungen sich von einem Höherstehenden schmeicheln zu lassen wenn er unmöglich die Absicht haben kann sie zu heiraten Jede Frau begeht eine Torheit wenn sie eine heimliche Liebe nährt und überhandnehmen läßt die unerwidert bleiben und ihr Leben verzehren muß Entschlage dich all solcher unsinnigen Ideen die dir nicht zukommen Ich hielt Wort Mein Entschluß blieb fest und machte es mir möglich ben Ereignissen die nun folgten mit großer Ruhe zu begegnen Hätten sie mich unvorbereitet getroffen so würde ich wahrscheinlich alle Fassung verloren haben Ein volles Haus Während einer vollen Woche blieben wir ohne Nachricht von Herrn Rochester Frau Fairfax rechnete schon damit daß er vielleicht