bisher noch nie an folgerichtige Beschäftigung gewöhnt Deshalb überhäufte ich sie im Anfang nicht mit Arbeit sondern erlaubte ihr alle Mittage nachdem sie ein wenig gelernt zu ihrer Wärterin zurückzukehren Des Nachmittags beschäftigte ich mich nach meinem Gefallen mit Zeichnen Lesen und Handarbeit Oft leistete ich auch der guten Frau Fairfax Gesellschaft oder half ihr beim Staubwischen durch ihre für meine Begriffe feenhafte Pracht Orientalische Teppiche rote Sessel mit goldenen Füßen Kamine aus Marmor Blumengirlanden an den Decken Möbel aus Ebenholz wundersam geschnite Schränke Armleuchter von blitzendem Glas große Spiegel und schwere Portieren das alles war für mich etwas ganz Neues Herr Rochester hat zwar selten Besuch wenn er hier ist plauderte Frau Fairfax aber er liebt es nicht die Sachen verhüllt zu sehen darum ist es das beste die Zimmer stets in Bereitschaft zu halten Ist Herr Rochester streng und kleinlich Durchaus nicht aber er ist von hohem Adel und kennt es nicht anders als daß sich alles nach ihm richtet Ist er sehr beliebt O ja Die Familie genießt hier großes Ansehen denn seit Menschengedenken hat alles Land in dieser Gegend den Rochesters gehört Ich meine ob Sie ihn lieben abgesehen von seinen Besitzungen und seinem Adel Warum sollte ich nicht Er ist gerecht und freigebig zu allen seinen Untergebenen wenn auch ein wenig absonderlich Das kommt aber wohl daher weil er viel gereist ist und fast die ganze Welt gesehen hat Ich glaube auch er ist sehr gescheit obwohl ich noch nie Gelegenheit hatte mich viel mit ihm zu unterhalten Inwiefern ist er denn absonderlich Das ist schwer zu sagen Kurz und gut man versteht ihn nicht so recht man weiß nie ob er im Ernst oder im Scherz redet ob er sich freut oder ärgert Trotzdem ist er ein guter Herr Wir gingen von Zimmer zu Zimmer treppauf und treppab und alles fand ich schön und geschmackvoll Manches Gemach erschien mir ganz besonders prächtig und imposant andere wieder düster und schwermütig durch die altertümlichen Reliquien ähnlichen Möbel Hier schläft niemand sagte Frau Fairfax Nicht wahr wenn es einen Geist in Thornfield-Hall gäbe so würde dies für ihn eine geeignete Region sein Aber Sie haben doch keinen Geist hier Wenigstens habe ich noch nie von einem gehört antwortete die Matrone lächelnd Während dieser Worte traten wir auf den Korridor des dritten Stockwerks und wollten zur Bodentreppe hinauf aufs Dach steigen denn Frau Fairfax wünschte daß ich die schöne Aussicht bewundern solle da schlug ein Geräusch an mein Ohr das ich in dieser Umgebung am wenigsten zu hören erwartet haben würde ein deutliches doch höchst seltsam klingendes Lachen langgezogen schrill gespenstisch Ich erschrak und faßte den Arm meiner Führerin Haben Sie gehört flüsterte ich Woher kam das Wer war es Wohl eins von den Dienstmädchen war die ruhige Antwort Vielleicht auch Grace Poole Ich höre sie oft denn sie näht in jenem Zimmer dort Grace rief sie und pochte leise an die Tür neben der wir standen Ich erwartete kaum daß ein menschliches Wesen auf diesen Ruf antworten