einförmig und farblos aber ich fühlte mich wohl und war zufrieden Nach Ablauf der acht Jahre aber sehnte ich mich nach einer Veränderung Der Grund dazu war vor allem daß Fräulein Temple die Anstalt verließ sie heiratete einen Landpfarrer Zuerst hatte sie mir eine Mutter ersetzt dann waren wir sogar Freundinnen geworden und als ich sie nun verlor fühlte ich daß meines Bleibens in Lowood nicht länger sei Als die geliebte Person verschwunden war ward ich inne daß ich den Zwang der klösterlichen Ordnung das ewige Einerlei nur durch ihre Liebe und aus Liebe zu ihr ertragen hatte Die Schulregeln der tägliche Unterricht die Gesichter der Schülerinnen der Lehrerinnen die engen Grenzen der Anstalt selbst das alles war mir jetzt mit einem Male unerträglich Am Fenster meines Stübchens stehend sah ich nach dem Horizont und verfolgte die weiße durch die Ebene sich hinziehende Landstraße bis dorthin wo sie mit dem Himmel verschmolz Ich muß in die Welt hinaus sprach ich zu mir selbst Acht lange lange Jahre bin ich hier eingepfercht gewesen bin auch nicht auf einen einzigen Tag von hier fortgekommen wahrlich nun sehne ich mich nach Freiheit Ich bin dieses Schlendrians müde Doch Freiheit fuhr ich fort Wird mir die beschert sein Ach nein wohl nur eine andere Dienstbarkeit Weiter werde ich mir wohl nichts wünschen dürfen Eine neue Stelle in einem neuen Hause unter neuen Gesichtern und neuen Verhältnissen das ist es an was ich denke Ich habe acht Jahre lang hier gedient nun will ich anderswo dienen Aber wie soll ich mir eine neue Stelle verschaffen Ja das wußte ich freilich nicht doch da ich niemand danach fragen konnte so blieb mir nichts weiter übrig als mir allein den Kopf darüber zu zerbrechen Darüber verging die halbe Nacht Endlich kam mir der Gedanke an ein Zeitungsinserat Mit Tagesanbruch stand ich auf und ehe die Glocke zum Frühstück läutete hatte ich die folgenden Zeilen niedergeschrieben Eine junge Dame als Lehrerin ausgebildet sucht Stellung in einer Familie mit Kindern unter 1 Jahren Sie kann Unterricht erteilen in Französisch Zeichnen und Musik sowie in allen den Fächern die zu einer guten Erziehung nach englischer Art erforderlich sind Gefällige Adressen erbeten an J E postlagernd Lowten Erst am Abend erhielt ich Urlaub nach Lowten zu gehen wo ich meinen Brief zur Post gab Auf dem Heimwwege geriet ich in strömenden Regen der mich bis auf die Haut durchnäßte Die Woche die nun folgte schien kein Ende zu nehmen mit so großer Sehnsucht erwartete ich den Tag wo ich abermals nach Lowten gehen und mich nach postlagernden Briefen erkundigen konnte Endlich stand ich im Postbureau Die alte Dame die den Schalterdienst versah suchte lange in dem Brieffach herum und schon sank meine Hoffnung Schließlich aber reichte sie mir doch ein Kuvert heraus die einzige Zuschrift die auf mein Inserat eingelaufen war Ich mußte meine Ungedlud noch länger zügeln denn ich hatte keine Zeit den Brief gleich auf der Post zu öffnen es war schon 8 Ühr und nach dem Hausgesey mußte